Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am 15.10. kündigten Hafengewerkschaften auf der gesamten Welt Streiks und weitere Aktionen gegen Krieg, Genozid und Sozialabbau für den 30. Oktober an. 100 Häfen auf vier Kontinenten haben ihre Beteiligung zugesagt. Nach ihren Angaben habe der angekündigte Streik das Potenzial, 40.000 Container im Mittelmeer aufzuhalten, was einem Handelsvolumen von 2 Milliarden US-Dollar entspricht.
Gewerkschaftsvertreter*innen aus Italien, Griechenland, Marokko, der Türkei und Indien informierten am Donnerstag über ihre Pläne, am 30. Oktober den Schiffsverkehr im Mittelmeerraum und darüber hinaus zu unterbrechen. Laut Angaben der Organisator*innen wollen sich 100 Häfen auf vier Kontinenten beteiligen. Auch Gewerkschaften aus anderen Sektoren seien beim Aktionstag dabei. Die Palästinensische Gewerkschaftsföderation sendete ein Grußwort. Beim Aktionstag unterstützt auch die klassenkämpferische World Federation of Trade Unions (WFTU), für die Vorstandsmitglied Cynzia Della Porta die Pressekonferenz eröffnete.
Della Porta erklärte, dass die Aktionen sich gegen den erstarkenden Faschismus und die imperialistische Kriegswirtschaft richteten und die Klasseninteressen der arbeitenden Klasse weltweit zu verteidigen suchten. Faschisierung, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Militarisierung und Sozialabbau seien die Auswirkungen eines Wirtschaftssystems, das Transformation nur noch durch Krieg erreichen könne. Vom Krieg hätten die Menschen jedoch nichts als Verwüstung zu erwarten. Die Streiks hält Della Porta daher für ein Beispiel, was Gewerkschaften weltweit tun müssen, um sich gegen Krieg einzusetzen.
Anschließend kamen Gewerkschaftsvertreter aus Italien (Unione Sindacale di Base), Marokko (Organisation Demokratischer Arbeiter), Griechenland (ENEDEP), der Türkei (Liman-İş) und Indien (Water Transport Workers Federation of India) zu Wort, die sich gegen die Nutzung kommerzieller Häfen und ihrer Arbeit für die Kriegswirtschaft und den Genozid in Palästina aussprachen. Sie erinnerten auch an kürzlich verstorbene Kolleg*innen, erteilten der weitergehenden Automatisierung des immer komplexer werdenden Schiffsverkehrs eine Absage und forderten ein gutes Leben statt zunehmende Ausbeutung für alle Arbeiter*innen weltweit. Sie wollen die Kriegswirtschaft nicht als die neue gesellschaftliche Norm akzeptieren. Anstatt den Krieg zu finanzieren, solle das Geld in die unterfinanzierten Sozialsysteme fließen.
Solidarität und ihre wirtschaftlichen Folgen
Als Protest sollen in Italien, Frankreich, dem Baskenland und Griechenland die teilnehmenden Häfen für 24 Stunden, in Marokko für zwei Stunden lahm gelegt werden. Mit einer 24-stündigen Verzögerung gehe nach Angaben der Gewerkschaften ein Wertverlust der verschifften Waren von zwei Prozent einher, worin der italienische Generalstreik noch nicht eingerechnet ist. Insgesamt beträfe der Streik voraussichtlich 40.000 Container im Wert von insgesamt 2 Milliarden US-Dollar.
Als den Hauptakteur imperialistischer Kriegsführung identifizieren die Gewerkschaften die USA. Dort wird sich beispielsweise der Hafen von Oakland, der besonders für seinen Widerstand gegen den Vietnamkrieg bekannt ist, am Aktionstag beteiligen. Auch in Deutschland sei der US-Imperialismus zu spüren: Der Hafen von Bremerhaven soll für 1,35 Milliarden Euro zum NATO-Hub umgebaut werden. Außerdem verzeichne der Hafen Antwerpen-Brügge einen zehnfachen Anstieg von 200 auf 2000 Tonnen Rüstungsgüter, die pro Monat an die US-Basis Ramstein nach Deutschland geliefert werden, um die US-Kriegsführung im Iran und der Ukraine zu unterstützen.
Ein Kampf für alle Menschen
Die Gewerkschaften sehen ihren Kampf gegen den Krieg als einen Kampf für alle Menschen und für die Jugend: „Die arbeitende Klasse und die Menschen, die die brutale Sparpolitik, eine Lebenshaltungskostenkrise, eine Wohnraumkrise, fremdenfeindliche Gewalt, die Kommerzialisierung von Gesundheitsversorgung und Bildung, Arbeitslosigkeit und Hungerlöhne ertragen müssen, tragen die Kosten für den Krieg, während die Schiffahrtskonzerne, Banken, Waffenhersteller und Öl- und Gaskonzerne Milliardenprofite machen.“ Zwar adressieren sie ihre Regierungsvertreter*innen mit diesen Forderungen, doch seien es genau diese Regierungen, die Bußgelder für Streiks verhängen und daher müsse man die Mobilisierung des Transportwesens insgesamt in den Blick nehmen. Für ihr anhaltendes Engagement gegen Krieg müssen auch italienische Gewerkschaften immer wieder staatlich verordnete Strafen bezahlen.
Doch dieser Streik knüpft an viele erfolgreiche Aktionen an, die es in Italien schon seit Jahren gibt (auch gegen Waffen für Saudi-Arabien). Im November 2024 verzögerten Arbeiter im Hafen von Tanger die Abfertigung von Rüstungsgütern für Israel um zwei Monate. In Piraeus, dem größten Seehafen Griechenlands, werden seit 2024 immer wieder Rüstungstransporte identifiziert und abgefangen. Die Arbeiter*innen im Hamburger Hafen rufen zu einer einstündigen Aktion um 13:30 Uhr auf. Auch die ver.di Fachgruppe Luftverkehr und Maritime Wirtschaft drückt ihr Solidarität mit den Streiks aus.



