KI, Staatsräson und die antiislamische Influencerin: Zera Institute

Wie eine antiislamische Influencerin und CDU-Mitglied 390.000 Euro an öffentlichen Mitteln aus Berlin erhielt, um einen Thinktank zu gründen, der KI-Tools zur Überwachung von Kritik an Israel in sozialen Medien entwickelt. Eine Spurensuche.

Version: deutsch|english

Eine ausführliche Betrachtung des Berliner Antisemitismus-Fördergeldskandals finden Sie in unserem begleitenden Artikel:

Eine Lektüre zur Repression in der Kulturszene Berlins finden Sie in unserem Artikel vom Oktober 2025:

Die Berliner Antisemitismus-Fördergeldaffäre hat, seitdem sie Anfang November letzten Jahres bekannt wurde, für Empörung gesorgt. Während Berlin sein Kulturbudget um mehrere Millionen Euro gekürzt hat, wurden 20 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln für die „Antisemitismusprävention” bereitgestellt. Politiker*innen nahmen direkt Einfluss auf die Nominierungen der Jury und die Auswahl der geförderten Projekte, was gegen Vorschriften und möglicherweise auch gegen das Gesetz verstößt. Die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich nun vor allem auf die direkte Zuweisung von 3,4 Millionen Euro aus einem „Aktionsfonds” durch die Verwaltung von Joe Chialo an verschiedene „Projekte von besonderer politischer Bedeutung”. Diese Vorgänge werden nun sowohl von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss als auch vom Rechnungshof Berlin geprüft. Kürzlich wurde bekannt, dass diese Projekte direkt von der israelischen Botschaft in Berlin geprüft wurden.

Zera Institute

Ein Begünstigter des Aktionsfonds ist besonders interessant: das Zera Institute, ein selbsternannter „Kultur-Thinktank gegen Antisemitismus“, der 390.000 Euro erhielt und erst kurz vor Bereitstellung der Fördermittel gegründet wurde. Das Zera Institute wird vom israelischen Musikproduzenten Mark Pinhasov und Maral Salmassi geleitet, die laut ihrer Biografie die Tochter eines iranischen Diplomaten aus der Zeit des Schahs in Israel ist und sich Ende 2023 als aggressive anti-islamische Influencerin neu erfunden hat.

Salmassi, zuvor eine unbekannte Musikerin und Techno-DJ, erlangte erstmals Ende 2024 Bekanntheit, als Elon Musk ein verschwörungstheoretisches TikTok-Video von ihr retweetete, in dem sie behauptete, der Täter des tödlichen Amoklaufs auf einem Weihnachtsmarkt in Magdeburg sei kein psychisch gestörter antimuslimischer Aktivist und AfD-Anhänger gewesen, sondern in Wirklichkeit ein Muslim, der jahrelang aufwendig vorgab, antimuslimisch zu sein. Im Jahr 2025 trat sie neben Christian Goiny – neben seinem Parlamentskollegen Dirk Stettner eine Schlüsselfigur in diesem Skandal – in den Vorstand der CDU Berlin-Lichterfelde ein. Goinys E-Mails gehören zu den veröffentlichten Dokumenten, die offenlegen, wie politischer Druck ausgeübt wurde, um öffentliche Mittel Lieblingsprojekten zukommen zu lassen. Zur „Forschungsabteilung“ des Zera Institute gehören auch Forscher*innen (von denen offenbar fast keiner in Berlin ansässig ist), die am Projekt „Decoding Antisemitism” beteiligt sind, das KI-Tools entwickelt, um Kommentare in sozialen Medien auf Anzeichen von „implizitem” oder „verstecktem” Antisemitismus zu überwachen.

Maral Salmassi: Rassenhass schüren

Nun durch großzügige öffentliche Mittel, die über das Zera Institute bereitgestellt werden, quasi mitgefördert, gehören zu Salmassis extrem rechter Rhetorik Schuldzuweisung an den Islam für den „Tod der europäischen Identität”, die Bezeichnung des ICC-Verfahrens gegen Israel als „moderner Dreyfus-Prozess”, Lob für Trumps Außenpolitik, Behauptungen, dass linke Politiker of Color „Marionetten einer neuen moralischen Ordnung” seien, und Vergleiche von diesen mit Hitler und Khomeini sowie Artikel wie „Warum der Islam nicht reformiert werden kann – und warum er die Zivilisation bedroht”. Salmassi behauptete 2024 im transphoben Podcast „You Must Be Some Kind of Therapist“, dass pro-palästinensische Queers „ironischerweise vom nächsthöheren Gebäude geworfen würden, wenn sie einen Fuß in Gaza oder in das Westjordanland setzen würden“ – ein beliebter Mythos unter Hasbarist*innen, der nicht einmal mit Israels eigener Einschätzung zu LGBTQ+-Rechten in Palästina übereinstimmt.

In Salmassis hyperbolischer Parallelwelt werden selbst moderate liberale Institutionen als antisemitische Zerstörer der „Zivilisation“ dargestellt: Die UNO ist „der Motor eines modernen Kalifats“, die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem ist Teil einer „sadistischen Inquisition“ und „Holocaust-Umkehrung“ und eine Dokumentation des britischen Guardian über israelische Meinungen zu Gaza ist Der Stürmer in 4K“ sowie „Ritualmordlegende mit neuem Soundtrack“. Dies ist die ideologische Perspektive, aus der das Zera Institute hervorgegangen ist.

Schnittstelle Anti-palästinensischer Rassismus und Antisemitismus

Salmassis Social-Media-Beiträge sind gespickt mit extrem entmenschlichender Sprache über Palästinenser*innen, in denen sie behauptet, dass diejenigen, die den Völkermord in Gaza durchmachen, „längst ihre Menschlichkeit verloren haben“ und „vor der Kamera hungern“, was einer „Ritualmordanschuldigung“ gleichkommt. In ihren sorgfältig inszenierten Talking-Head-Videos hat sie besondere Freude daran, Menschen, die sich mit Palästina solidarisieren, als „Pali-Orks“, „woke Ork-Horden“ oder „woke Ayatollahs“ zu brandmarken. Die Soldat*innen der israelischen Streitkräfte lobt sie hingegen – im Gegensatz zu intersektionalen, auch „woke“ genannten Feministinnen, gegen die sie im T-Shirt mit dem Hasssymbol der Alt-Right-Bewegung, Pepe the Frog, wettert. Sie teilt oft Inhalte von Personen wie Douglas Murray und Lauren Southern, die Positionen vertreten, die mit dem weißen Nationalismus sympathisieren. Ihre Tiraden reichen von „ich bin überzeugt – ohne jeden Zweifel –, dass der Islam zur gefährlichsten Ideologie unserer Zeit geworden ist“ über die Klage über Europas „jahrzehntelange Einfuhr tribalistischer, theokratischer und antisemitischer Ideologien“ bis hin zu „das Problem mit den Palästinensern ist ihre Kultur des Hasses und des Todes“.

In ihrem entschlossenen Bestreben nach einer Eskalation provokativer Takes in der Aufmerksamkeitsökonomie, hat Salmassi auch begonnen, antisemitische Topoi zu verbreiten, beispielsweise als sie in einem Tweet vom 7. Februar 2025 erklärte, dass „Soros ein Parasit ist und immer gewesen ist“. Der Nachschub „immer gewesen“ ist besonders finster, da Soros als Kind in Ungarn den Holocaust überlebt hat. Salmassi hat auch wiederholt jene „opportunistischen Verräter“ angegriffen, die sie als „Alibi-Juden“ betrachtet – Wissenschaftler wie Amos Goldberg, Raz Segal und Omri Boehm, die ihre Leugnung des Völkermords in Gaza nicht teilen. Über diese Holocaust-Wissenschaftler schreibt sie: „Es handelt sich um pathologischen Hass, der als Wissenschaft getarnt ist, und diese aktivistischen Wissenschaftler‘ sind nichts anderes als akademische Fußsoldaten, die der Propaganda einen Doktortitel verleihen“. Diese Aussage würde eher zu ihrer eigenen Laufbahn und die des Zera Institute passen, wäre da nicht die Tatsache, dass so gut wie alle Team-Mitglieder des Zera Institute keine akademischen Qualifikationen oder Glaubwürdigkeit vorweisen können.

Salmassis antisemitische Äußerungen sind äußerst besorgniserregend, sie haben tatsächlich sogar innerhalb ihrer eigenen Partei für Aufruhr gesorgt, wodurch eine eklatante Doppelmoral deutlich wird: Während die Dutzenden rassistischen und entmenschlichenden Äußerungen, die sie gegen Palästinenser*innen und Muslim*innen gemacht hat, im Zusammenhang mit der Rolle des Zera Institute im Förderskandal kaum Kommentare von Presse oder Politikern hervorgerufen haben, werden ihre antisemitischen Äußerungen skandalisiert und deutlich kritisiert. Entmenschlichung scheint für einen Großteil der deutschen Gesellschaft ein relatives Konzept zu sein. Die Tatsache, dass das Zera Institute – und damit auch provokative, gesellschaftlich spaltende Positionen wie die von Salmassi – von der Berliner „Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt” finanziert werden, ist geradezu orwellianisch … und es wird noch beängstigender.

Die Pipeline von „Women Life Freedom” zu Hasbara-Influencer*innen

Salmassis aggressives iranisch-monarchistisches Zionismus-Branding in sozialen Medien ist eine relativ neue Leidenschaft. Während sie in ihren Beiträgen in den letzten Jahren oft die Frauenrechte im Iran erwähnt hat (neben einer Vielzahl unappetitlicher Verschwörungstheorien), stieg ihre Followerzahl in den sozialen Medien von unter 2.000 im Jahr 2023 auf über 80.000 auf X und Instagram, als sie anfing, sich intensiv für pro-israelische Themen einzusetzen. Salmassis Entwicklung spiegelt den wachsenden Trend wider, dass Influencer*innen, die manchmal aktiv rekrutiert und bezahlt werden, auf den Hasbara-Zug aufspringen, da sich dies als „gut fürs Geschäft” erweist. Zwar gibt es keine direkten Beweise dafür, dass Salmassi außer über das Zera Institute bezahlt wird, doch erinnert ihr Aufstieg an die persische Influencerin „Elica Le Bon”, die sich nach und nach durch die Pipeline „Women Life Freedom” zur Hasbara bewegte.

Mark Pinhasovs viele „frisch gegründete“ gemeinnützige Organisationen

Auch wenn die Online-Präsenz von Zera-Mitbegründer Mark Pinhasov nicht an Salmassis hetzerische Rhetorik heranreicht, ist seine Verstrickung im Skandal dennoch bemerkenswert. Er schaffte es, nicht nur aus einem, sondern aus drei der insgesamt zwölf Projekte des Aktionsfonds für seine „neu gegründeten gemeinnützigen Organisationen“ Profit zu schlagen. Neben dem Zera Institute erhält auch seine Mosaik G.C.B. gUG 89.981,75 Euro. Darüber hinaus sitzt er im Vorstand des Future Narrative Fund e. V., der erst Ende 2025, nur wenige Tage bevor der Tagesspiegel-Artikel den jüngsten Skandal aufdeckte, offiziell registriert wurde und 39.000 Euro als Projekt der Immobiliengesellschaft FaBlhaft GmbH erhielt. Damit beläuft sich die Gesamtsumme der Fördermittel für Projekte mit Pinhasov in Führungsrolle auf 518.981,75 Euro.

Quelle: Northdata.de

Vor Jahren war Pinhasov auch Mitbegründer von Avihu Pinhasov, „einer der erfolgreichsten Musikgruppen Israels”, die Ende 2023 Schlagzeilen machte, als ein Video viral ging, in dem sie vor frisch aus Gaza zurückgekehrten, mit Maschinengewehren bewaffneten israelischen Soldaten ohne Hemden auftrat. Das Video, in dem Avihu auf einem Militärbulldozer mit einer israelischen Flagge zu sehen ist, löste so viele Kontroversen aus, dass mehrere israelische Soldaten disziplinarisch belangt wurden. Es ist nicht klar, ob Mark Pinhasov selbst anwesend war, aber der Vorfall führte zu einem feierlichen Artikel in der WELT. Dort versuchte Mirna Funk, das Image der Givati-Brigade zu beschönigen, deren Angehörige derzeit mehrfach mit Vorwürfen von Kriegsverbrechen konfrontiert sind.

Expertise in der Prävention von Antisemitismus?

Ein Bericht des Spiegel vom November ergab, dass der Großteil des Teams des Zera Institute, das auf seiner neuen Website aufgeführt ist, einschließlich seiner DJ-Gründerin, keine glaubwürdige Expertise in Bezug auf Antisemitismus besitzt. Laut Spiegel handelte es sich bei einer Person, die ursprünglich auf ihrer Website als „Expertin für Antisemitismusprävention” aufgeführt war, offenbar um ein Ex-Model. Infolge dieser negativen Berichterstattung wurde ihre Rolle auf der Website in „Datenanalystin” geändert. Seit November gab es weitere personelle Veränderungen: Die Geschäftsführerin des Zera Institute, die professionelle Hypnotherapeutin Boriana Jürgens-Rosenmüller, wurde vollständig von der Website entfernt [vorherige Website-Version vom 6. November 2025 hier archiviert].

Nach weiteren Berichten über den Förderskandal, darunter auch über Salmassis antisemitische Äußerungen, haben mehrere Unterstützer von Zera das „Institute“ verlassen. Sigmount Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, bestätigte am 13. Februar 2026 seinen Rücktritt aus dem Expertenrat des Instituts. Königsberg dürfte seit langem über die kontroversen Äußerungen Salmassis informiert gewesen sein und hat selbst kontroverse Äußerungen getätigt, indem er den Holocaust relativierte, als er Berlin im Jahr 2023 mit der „Nazizeit“ verglich.

Königsbergs freier Platz im Beirat des Zera Institute neben Seyran Ateş, Hudhaifa Al-Mashhadani und Ali Ertan wurde in der folgenden Woche von Andreas Büttner besetzt, Deutschlands glühendstem Fürsprecher Israels und Antisemitismusbeauftragter des Landes Brandenburg. Es sei daran erinnert, dass Andreas Büttner über keine formalen Qualifikationen oder Fachkenntnisse in der Frage des Antisemitismus verfügt. Der ehemalige Streifenpolizist hat sich jedoch im Laufe der Jahre als mehr oder weniger loyaler Parteisoldat profiliert, zunächst für die CDU, dann für die FDP und schließlich als Mitglied der Partei Die Linke. Im Mai 2025 gab Andreas Büttner bekannt, dass Matthias Becker vom Zera Institute als Forschungsberater in sein Team aufgenommen wird.

Das Zera Institute hat sich als Magnet für Kontroversen erwiesen: Erst am vergangenen Dienstag berichtete die taz, dass Hudhaifa Al-Mashhadani vom Beirat wegen angeblicher falscher Behauptungen, es habe einen „Attentatsversuch“ auf sein Leben gegeben, polizeilich untersucht wird. Er hatte im November für großes Medieninteresse gesorgt, als er behauptete, eine Person mit Keffiyeh habe versucht, ihn an der Berliner U-Bahn-Station Rathaus Neukölln auf die Gleise zu stoßen und ihn dann auf den Kopf geschlagen. Die taz berichtet, dass Videoaufnahmen der Berliner Verkehrsbetriebe BVG keinen körperlichen Angriff zeigen. Er erzählte der Süddeutschen Zeitung außerdem, dass er wegen des Vorfalls mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) telefoniert habe und dass Söder ihn nach München eingeladen habe: „so einen wie Sie brauchen wir hier für die Islamistenbekämpfung”. Söders Büro teilte der SZ mit, dass dieses Telefonat nicht stattgefunden habe. Im taz-Artikel werden weitere Zweifel an Al-Mashhadanis Behauptungen geäußert, er habe mehrere akademische Abschlüsse im Irak und in den USA erworben, die nicht überprüft werden können.

Angesichts des unerwünschten Interesses und der Kritik der Presse haben sowohl das Zera Institute als auch Salmassi Erklärungen abgegeben, in denen sie „radikale linke Journalisten” beim Spiegel und „rassistische” und „sexistische” Angriffe auf Salmassi anprangerten, die in der „weißen Vorherrschaft” begründet seien, da der Schwerpunkt der Berichterstattung mehr auf ihr, dem Gesicht des Instituts, als auf Pinhasov oder anderen weißen männlichen Mitgliedern des Teams lag. Nichtsdestotrotz beschäftigt das Zera Institute tatsächlich doch einen anerkannten Experten für Antisemitismus. In den letzten Wochen hat das Institut unter zunehmendem Druck, die Verwendung von 390.000 Euro nachzuweisen, endlich begonnen, die Ergebnisse seiner Forschungsstudien zu veröffentlichen.

Decoding der pro-israelischen Voreingenommenheit von „Decoding Antisemitism“

Die Forschungsabteilung des Zera Institute wird von dem deutschen Wissenschaftler Matthias J. Becker geleitet, der derzeit an der New York University tätig ist und zuvor am Forschungszentrum für Antisemitismus der TU Berlin gearbeitet hat. Nach dem 7. Oktober behauptete Becker, er müsse aufgrund der zunehmenden Proteste in Paris gegen den Völkermord in Gaza aus Frankreich nach Israel fliehen. Sein Forschungsinteresse beim Zera Institute scheint eng mit dem Projekt „Decoding Antisemitism“ an der TU Berlin verbunden zu sein, das Becker von 2019 bis 2025 leitete. Im Laufe der Jahre hatte Becker Forschungspositionen an vielen Institutionen inne und war ein gern gesehener Gastredner, vor allem bei pro-israelischen Thinktanks und Organisationen, die den Vorwurf des Antisemitismus missbrauchen, um Israels Verbrechen zu verteidigen. So stellte Becker sein Projekt „Decoding Antisemitism“ beispielsweise dem Institute for the Study of Global Antisemitism and Policy (ISGAP) vor, einer 2004 an der Universität Tel Aviv gegründeten Organisation, die seit 2018 mit mindestens 1,7 Millionen US-Dollar von der israelischen Regierung finanziert wird und in deren Vorstand prominente Berater wie der ehemalige Likud-Minister Natan Sharansky und bis 2019 Alan Dershowitz, bekannt durch die Epstein-Akten, sitzen. In Beckers NYU-Biografie heißt es, dass er „Regierungsstellen, Technologieunternehmen und internationale Organisationen – darunter das US-Außenministerium, die Europäische Kommission und META – in Europa, Nordamerika und Israel berät“.

In seinen zahlreichen öffentlichen Vorträgen vertritt Becker oft eine manichäische Weltanschauung, die bewusst die Grenzen zwischen echtem Antisemitismus, wie der Leugnung des Holocausts, und Kritik an der Politik Israels, wie Beschuldigungen der Apartheid oder des Völkermords, zu verwischen scheint. Tatsächlich verraten Beckers Schriften eine Denkweise, die offenbar nicht begreifen kann, dass Palästinenser*innen oder diejenigen, die sich mit ihrem Widerstand gegen die israelische Gewalt solidarisieren, von etwas anderem als Antisemitismus motiviert sein könnten. Jede negative Äußerung zu Israel wird nur als Indiz für einen vagen und unmöglich zu beweisenden (oder zu widerlegenden) „impliziten“ Antisemitismus angesehen.

Ein Artikel in Jacobin vom Mai 2025 beschreibt diesen Ansatz und das Projekt „Decoding Antisemitism” ausführlich und kommt zu dem Schluss: „[Decoding Antisemitism] ist bis heute der autoritärste Versuch, mithilfe der Antisemitismusforschung nicht nur unbequeme Opposition gegen Israel, sondern auch Millionen palästinensischer Stimmen aus der Öffentlichkeit zu verbannen.” Diese Lesart ergibt sich aus Beckers stark ideologisch geprägter Herangehensweise an die Datenerhebung und -analyse, die er und seine Kolleg*innen für das Projekt „Decoding Antisemitism“ durchgeführt haben. Dieser Ansatz scheint sich weitgehend darauf zu konzentrieren, Israels Handlungen und Politik durch Antisemitismusvorwürfe zu verteidigen. Nirgendwo wird dies deutlicher als im Glossar des Projekts. Hier greifen Becker und seine Kollegen auf uralte antisemitische Klischees zurück und pressen sie gewaltsam in die Form gerechtfertigter Kritik an Israel, um sie als antisemitisch zu brandmarken – eine Technik, die auch in Salmassis Onlinebeiträgen zum Ausdruck kommt.

Erwähnungen von international anerkannten und nachgewiesenen Angriffen auf Zivilist*innen und der Tötung von Kindern werden als „Blutverleumdung“ (blood libel) angeprangert und somit als antisemitisch deklariert. Um angeblich antisemitische Sprache zu vermeiden, sollte die Tötung von Kindern stattdessen in der Passivform beschrieben werden, wodurch dem israelischen Militär die Handlungsfähigkeit und Verantwortung genommen werden. Israel als „Einschüchterer“ zu bezeichnen, ihm die alleinige Verantwortung für die Unterdrückung der Palästinenser*innen zuzuschreiben oder sein System der Segregation als Apartheid zu bezeichnen, wird ebenfalls als eine Form des Antisemitismus angesehen – warum genau, bleibt freilich ein Rätsel. Beckers Ansatz zur Erforschung des Antisemitismus und damit auch der des Zera Institute, dessen Forschung er leitet, scheint nicht auf einem kritischen Verständnis des Antisemitismus zu beruhen, sondern basiert vielmehr auf einer pro-israelischen Haltung, die Linke und ihre Kritik an den kolonialen Praktiken Israels als Haupttreiber des Antisemitismus betrachtet.

Autoritäre Staatsräson-Ideologie trifft auf KI

„Decoding Antisemitism“ ist das Ergebnis der konsequent zu Ende gedachten Staatsräson. Ihre Methodik spiegelt die in Deutschland verbreitete Atmosphäre des „philosemitischen McCarthyismus“ wider. Die Exotisierung oder Essentialisierung von Juden und Jüdinnen – beispielsweise die Behauptung, dass sie im Gegensatz zu allen anderen Menschen nicht in der Lage sind, Völkermord oder andere Übel zu begehen – ist eine Form des „Othering“, der Diskriminierung. Darüber hinaus ist diese Art von Philosemitismus fast immer an die Bedingung geknüpft, dass die betreffenden Juden und Jüdinnen pro-israelisch sind, und manchmal reicht selbst das nicht aus.

Indem alle, die sich an der Debatte um Palästina beteiligen und eine Meinung vertreten, die von der staatlich sanktionierten Unterstützung von Kriegsverbrechen abweicht, mit dem Vorwurf des „impliziten“ oder „versteckten Antisemitismus“ bedroht werden können, wird der Blick getrübt. Das führt unweigerlich zu genau dem, was sich ereignet hat: Die große Mehrheit der Menschen schweigt aus Angst; Pressemitteilungen der israelischen Streitkräfte werden von den westlichen Medien unhinterfragt wiedergekäut; und diejenigen, die sich solidarisch mit Palästina zeigen, werden finanziell ausgehungert, gecancelt, verhaftet oder entlassen. Angesichts der Tatsache, dass Becker seine Karriere damit gemacht hat, die spekulativen Absichten von Nutzerkommentaren im Internet zu beobachten und zu interpretieren, fragt man sich, was er von den hasserfüllten Kommentaren im Blog und bei den Social-Media-Beiträgen seiner Kollegin Salmassi hält (von denen einige inzwischen verborgen wurden).

Die extreme Gefahr des ideologischen und spekulativen Einsatzes von KI hat sich bereits auf tödliche Weise beim Völkermord in Gaza gezeigt, wo von der Einheit 8200 entwickelte israelische Nachrichtensysteme wie „Lavender” und „Where’s Daddy?” in großem Umfang eingesetzt wurden, um mutmaßliche Hamas-Mitglieder in ihren Häusern anzugreifen. Diese Systeme hatten nicht nur eine bekannte Fehlerquote von etwa zehn Prozent, sondern griffen manchmal auch sehr niedrigrangige Beamte an. Die Angriffsziele wurden zusammen mit ihren gesamten Familien und allen Bewohnern ihrer Wohnhäuser bombardiert, oft ohne menschliche Bestätigung der KI-Analyse.

Während „Decoding Antisemitism“ im Vergleich zu diesen militärischen Einsätzen von KI harmlos erscheinen mag, ändern sich die Gesetze in Deutschland rapide. In Berlin erlauben die jüngsten Änderungen im Allgemeinen Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (ASOG), die im Dezember 2025 in Kraft traten, der Polizei nun den Einsatz von KI-gestützter Videoüberwachung im öffentlichen Raum, die Verwendung von Predictive-Analytics-Systemen, die große Mengen an Polizei- und Verwaltungsdaten bündeln, und das „Scrapen“ von Bildern aus sozialen Medien, um Gesichtserkennungssysteme zu trainieren, selbst wenn die Ziele nicht offiziell untersucht werden. Außerdem dürfen sie nun heimlich in Wohnungen einbrechen, um Überwachungs-Malware auf Geräten zu installieren. Unterdessen wurden deutsche Polizeibeamte passend zur langjährigen Zusammenarbeit zwischen deutschen Polizeikräften und dem israelischen Staat aktiv in den palästinensischen Gebieten eingesetzt. Anfang Dezember 2025 reiste die Berliner Polizeichefin zusammen mit Vertreter*innen der Polizeikräfte aller deutschen Bundesländer nach Tel Aviv, um an einer Konferenz mit zwölf israelischen Waffenherstellern teilzunehmen. Zu den Themen, die im Hinblick auf eine Zusammenarbeit diskutiert wurden, gehörte „ein strengerer Umgang mit Kritik an Israel in sozialen Medien”.

Fragwürdige Forschung

Ein kürzlich veröffentlichter 106-seitiger Bericht des Zera Institute mit dem Titel „Extremismus und Bedrohungen für die liberale Demokratie – Online-Radikalisierung, Antisemitismus und KI“, der offenbar nicht auf Deutsch, sondern nur als englische Ausgabe existiert, weist alle Merkmale von „Decoding Antisemitism” auf. Er enthält zudem Datenanalysen aus dem Mai 2025 „Digitale Nachwirkungen des Hassverbrechens in Washington, D.C.”, obwohl diese Daten offenbar zwei Monate vor der Bewilligung der Finanzierung des Zera Institute im Juli 2025 erhoben wurden.

Im Januar 2026, als das Zera Institute in Berlin aufgrund seiner Finanzierung unter Beobachtung stand, listete das Institut vier neue Forschende auf seiner Website auf, von denen drei aus dem Projekt „Decoding Antisemitism” stammen: Oksana Stanevich, Marcus Scheiber und Benjamin C. Rouda, von denen nur einer in Deutschland zu leben scheint. Wenn Becker zwischen Israel und den USA lebt und der Forschungsdirektor von Zera, Benjamin Folit-Weinberg, an der Ohio State University tätig ist, wo er antike griechische Klassiker unterrichtet (was offensichtlich nichts mit Antisemitismusforschung zu tun hat), fragt man sich, warum Berlin eine Forschungsgruppe finanziert, die nicht einmal in Deutschland ansässig ist oder Forschungsergebnisse auf Deutsch publiziert.

Der neue Bericht konzentriert sich auf die KI-Analyse von Kommentaren in sozialen Medien mit vier Fallstudien: die Ermordung von Charlie Kirk, das Attentat vor dem Jüdischen Museum in Washington, Friedrich Merz‘ ausländerfeindliche Kommentare zum „Stadtbild“ und zwei Social-Media-Beiträge des in Berlin lebenden Aktivisten und Influencers Tarek Baé. Die ersten beiden Fälle stammen eindeutig aus einem US-amerikanischen Kontext und konzentrieren sich auch auf US-amerikanische Influencer, die in Berlin kaum bekannt sind. Die Relevanz des Berichts für Berlin ist weit hergeholt, das meiste im Bericht liest sich wie eine bestehende Studie von „Decoding Antisemitism”, die aufgrund des Förderrahmens in das Format eines Berichts vom Zera Institute hineingezwängt wurde.

In seiner „Mikroanalyse“ behauptet das Zera Institute, dass satte 23 Prozent der Kommentare unter einem Instagram-Post von Baé antisemitisch waren, in dem er Berlins Projektion der israelischen Flagge auf das Brandenburger Tor am 7. Oktober 2025 kritisierte, während in Gaza der Völkermord wütete. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die fünf häufigsten Kategorien von Antisemitismus in dem Beitrag nach der Klassifizierung von Becker und Folit-Weinberg „Ritualmordvorwürfe, Völkermordvorwürfe, Verschwörungstheorien, Verfälschung des Holocausts und Narrative unterwürfiger Medien” waren. Zwar gibt es möglicherweise Hinweise auf tatsächlichen Antisemitismus in den Kommentaren, doch nach den Kriterien von Zera werden explizite oder grenzwertig antisemitische Äußerungen mit solchen in einen Topf geworfen, die besagen, Israel töte absichtlich Kinder, oder die anerkennen, dass es in Gaza Völkermord begeht und dass der deutsche Staat und die deutschen Medien mitschuldig sind. Die Leugnung dieser Tatsachen durch Becker und das Zera Institute weist auf die tragische und gefährliche Verbreitung der Nakba-Leugnung in Deutschland hin und auf das Fehlen eines theoretischen Rahmens, um Völkermorde nicht als außergewöhnliche „Zivilisationsbrüche“ zu verstehen, sondern als regelmäßig auftretendes Grauen in der Geschichte, gegen dessen Verübung keine Gesellschaft auf unbegrenzte Zeit immun ist.

Ein Plädoyer für die Finanzierung von Überwachungsmaßnahmen

Die Methodik des neuen Berichts des Zera Institute besagt, dass „es sich nicht um Interventionen, Meldungen, Moderation oder Strafverfolgungsmaßnahmen handelt […] Die Analyse liefert keine verwertbaren Erkenntnisse über bestimmte Personen oder unmittelbare Bedrohungen und behauptet keinen kausalen Zusammenhang zwischen Online-Diskussionen und Offline-Gewalt“. Im ebenfalls nur auf Englisch vorhandenen zweiten Bericht wird jedoch der Zweck des Programms deutlich. Hier wird „die plattformübergreifende Längsschnittbeobachtung der Diskursentwicklung einzelner Nutzer*innen“ vorgeschlagen oder einfach gesagt: Überwachung. Der Bericht stellt fest, dass die Überwachung „expositionsbasierte Risikomodelle unterstützen könnte, die für Frühwarnsysteme, Aufklärung und Prävention sowie die KI-gestützte Unterscheidung zwischen organischer Radikalisierung und automatisiertem Verhalten relevant sind“. Oder, kurz gesagt, dass ihre Algorithmen Risikofälle nach ausgewählten Kriterien kennzeichnen könnten, wobei im Wesentlichen KI eingesetzt wird, um sprichwörtliche „Gedankenverbrechen“ aufzudecken.

Der Bericht fährt als eine Art Pitch Deck an staatliche Akteure fort: „Sicherheitsbehörden erkennen zunehmend, dass gewalttätige Handlungen selten ohne vorherige Online-Signale auftreten. Dennoch fehlen ihnen zuverlässige Methoden, um [Warnzeichen] zu erkennen”. Die Implikation ist klar, so dass Matthias Becker und Co. die Lösung liefern werden: „Gezielte Investitionen in hypothesengetriebene Forschung können das Verständnis darüber, wo und wann Interventionen am effektivsten sind, wesentlich voranbringen und empirische Erkenntnisse liefern, die direkt in die anschließende Politik, Plattform-Governance und Sicherheitsentscheidungen einfließen.” Das Zera Institute und „Decoding Antisemitism“ scheinen uns einen Schritt näher an eine einst dystopische Science-Fiction-Prämisse wie die des 2002 erschienenen Films Minority Report zu bringen, in dem eine „Precrime“-Einheit esoterische, fortschrittliche Technologien einsetzt, um mutmaßliche potenzielle Kriminelle zu fassen.

Becker und sein Projekt spiegeln eine neue Stufe des Staatsräson-Extremismus wider, indem sie ein System entwerfen, in das öffentliche und private Gelder aus vielen Richtungen fließen, um Instrumente zu entwickeln, mit denen Personen, die eine Bedrohung für die von Becker geteilte unerschütterliche pro-israelische Ideologie darstellen, überwacht, analysiert und möglicherweise bestraft werden können. Israel hat sein Budget für Hasbara um das Zwanzigfache gegenüber dem Stand vor dem 7. Oktober 2023 aufgestockt. Mit Schätzungen zwischen 150 und 700 Millionen US-Dollar wird dieser Bereich immer lukrativer, sodass manche bereits fordern, „eine große staatliche Hasbara-Behörde einzurichten“. Aggressive pro-israelische Massen-Doxxing-Projekte wie Canary Mission und kahanistische Extremisten wie Betar US nutzen bereits KI, um Aktivist*innen ins Visier zu nehmen, die sich für Palästina einsetzen. Die neue Technologie, die Becker und sein Team auf Kosten der Berliner Steuerzahler entwickeln wollen, wird es ihnen erheblich erleichtern, der Regierung Listen mit Personen zu liefern, die verhaftet und abgeschoben werden sollen.

FragDenStaat: Brisanter Bericht und weitere Enthüllungen

Am 22. Januar 2026 veröffentlichte das Informationsfreiheitsportal FragDenStaat Tausende von Dokumenten und E-Mails im Zusammenhang mit dem Antisemitismus-Förderskandal. Die E-Mails liefern konkrete Beweise dafür, dass die CDU Druck auf Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson und Mitarbeitende der Kulturverwaltung ausgeübt hat, um die Finanzierung ihrer Wunschliste von Projekten, darunter auch das Zera Institute, schnell zu genehmigen. Wedl-Wilson kam dieser Aufforderung unbesehen nach. Die von FragDenStaat veröffentlichten Dokumente enthüllen auch mehrere Gründungsmitglieder des Zera Institute, die nie auf dessen Website aufgeführt wurden und möglicherweise zu einem unbekannten Zeitpunkt aus dem Projekt ausgestiegen sind. Zum Zeitpunkt des Förderantrags wurde Zera angeblich von einer unbekannten Person geleitet, dem „Analysten und Berater” „Roy Razon“. Die Kommunikation zeigt den Schriftverkehr zwischen Razon und Mitarbeitern des Senats, darunter eine Aussage von Razon vom 4. Juni 2025: „Nach Rücksprache mit der CDU-Fraktion wurde uns mitgeteilt, dass die Kürzung um 10% nicht vorgesehen ist. Ich bitte daher um Prüfung und Bewilligung des Antrags in voller, ursprünglich beantragter Höhe.” Dies deutet nicht nur auf enge Verbindungen zur CDU hin, sondern auch darauf, dass die Fraktion die Autorität hatte, Regeln nach Belieben zu beugen, um Zera vollständig zu finanzieren, anstatt nur die üblichen 90 Prozent bei verpflichtenden zehn Prozent Eigenmittel. Im Internet finden sich keinerlei Informationen über „Roy Razon“, aber aus den publizierten Dokumenten geht hervor, dass er dieselbe Postanschrift wie Salmassis Plattenlabel „Konsequent“ hat.

Quelle: ✓ B080202-0014 2025_Kultur-Think-Tank gegen Antisemitismus.pdf

Die Unterlagen von FragDenStaat enthüllen auch mehrere Gründungsmitglieder des Zera Institute in der Rubrik „Über uns“, die nie auf der Website aufgeführt waren und möglicherweise zu einem unbekannten Zeitpunkt aus dem Projekt ausgestiegen sind. Obwohl die Namen in den Unterlagen teilweise geschwärzt wurden, konnten wir ihre Identität durch eine schnelle Onlinerecherche anhand ihrer aufgeführten Biografien feststellen: Micki Weinberg, Gründer der in Beverly Hills ansässigen Organisation Shiur International (Beispiel für eine Veranstaltung in Berlin hier), die bei Veranstaltungen mit der Pro-Siedler-Gruppe Lavi Olami zusammengearbeitet hat; Thorsten Sommer, der anti-deutsche „DJ Phonatic”, dessen Followerzahl in den sozialen Medien stieg, als er begann, sich auf pro-israelische und anti-palästinensische Inhalte zu konzentrieren; und der Pianist Ohad Ben-Ari, Gründer des ID Festival (Israelisch-Deutsches Festival). Ben-Aris anderes Projekt „Breaking the Binary” erhielt 89.900 Euro aus denselben Mitteln zur Bekämpfung von Antisemitismus und wurde bereits in einem Artikel des Tagesspiegel wegen der Verwendung der Mittel unter die Lupe genommen.

Der Fundus enthält auch eine E-Mail vom Mai 2025 von einer geschwärzten Adresse @cdu-fraktion.berlin.de, in der Wedl-Wilson aufgefordert wird, „noch heute“ eine von der CDU zusammengestellte Liste von Projekten zu genehmigen, darunter eines der Israel-Lobbygruppe ELNET, das nicht einmal rechtzeitig eingereicht worden war, sowie das des Zera Institute. In der E-Mail heißt es: „Die Relevanz und Dringlichkeit [der Finanzierung des Zera Institute] wird durch die zugesagte Unterstützung Israels und der USA deutlich unterstrichen.” Die Namen und Beschreibungen der drei Kooperationspartner von Zera sind vollständig geschwärzt – man fragt sich, wer diese US-amerikanischen und israelischen Unterstützer sein könnten, insbesondere angesichts der Verbindungen von Matthias Becker als Berater des US-Außenministeriums und anderer Regierungsstellen.


Quelle: ✓ B080202-0014 2025_Kultur-Think-Tank gegen Antisemitismus.pdf

Verflochtene Schicksale: Becker und Salmassi

Während die Exzentrizität des Zera Institute in der deutschen Presse Aufmerksamkeit erregt hat, haben nur wenige Artikel ein internationales Publikum erreicht. Die pro-israelische Ausrichtung selbst linksgerichteter deutschen Medien führt dazu, dass sich die Berichterstattung über den Skandal auf den Missbrauch von Geldern und Parteifilz der CDU konzentriert, anstatt die Absicht des Finanzierungsapparats an sich zu kritisieren. Da Deutschland Israel weiterhin materiell, finanziell und diplomatisch unterstützt, könnte die eklatante Heuchelei des Zera-Institute-Skandals vielleicht Raum für eine tiefere Selbstreflexion über die Verleugnung und Mitschuld Deutschlands am Völkermord in Gaza schaffen.

Die Einführung der von Becker entwickelten KI-basierten Überwachungstechnologie und die Schulung ihrer Algorithmen mit der entmenschlichenden Ideologie von Salmassi zeichnen in der Tat ein dystopisches Bild. Die Karriere, die Matthias Becker sich rund um den Antisemitismus aufgebaut hat, ist nun für immer mit Maral Salmassi verbunden, der „staatlich geförderten Hasspredigerin“, wie die taz sie bezeichnet hat. Das Schicksal der beiden ist dank der Großzügigkeit von Joe Chialo, Sarah Wedl-Wilson und der CDU Berlin miteinander verknüpft.

Instagram: @arts_culture_alliance_berlin

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Zeit für politische Ungeduld

Unsere Welt steht lichterloh in Flammen. Unter den Augen der Weltöffentlichkeit wurde der Gazastreifen in Schutt und Asche gelegt. Zehntausende Männer, Frauen und sogar Kinder