Jason Ardays Tod zeigt, wie die neoliberale Universität Konformität belohnt und sich gegen Veränderung wehrt.
Jason Arday ist tot. Das scheint zumindest eine Sache zu sein, derer wir uns sicher sein können.
In den vergangenen Wochen ist viel über die Umstände von Ardays Tod gesagt worden. Der 41-jährige ehemalige Cambridge-Professor wurde am 14. August tot in seinem Haus im Süden Londons aufgefunden – neun Tage nachdem er angesichts von Plagiatsvorwürfen, die er zurückwies, zurückgetreten war. Es kursierten Analysen, die Eliteinstitutionen und EDI verantwortlich machten – Equity, Diversity and Inclusion, also Gleichstellung, Diversität und Inklusion; in diesem Essay wird die kanadische Terminologie verwendet, während in den USA DEI gebräuchlicher ist –, darunter Paul Tiyambe Zeleza auf Substack. Andere machten den erklärten Rassisten und Eugeniker Nathan Cofnas verantwortlich, der mutmaßliche Plagiate in Ardays Arbeiten öffentlich gemacht hatte. Wieder andere gaben den Medien die Schuld – und schließlich all diesen Faktoren zusammen.
Was auch immer die Wahrheit über Ardays Tod sein mag: Rassismus in seinen unterschiedlichen Formen prägte die Entwicklung der Affäre Arday und trug zu seinem Tod bei. Ebenso sollte klar sein, dass die Universität als Institution bei dem, was geschehen ist, eine bedeutende Rolle spielt. Die neoliberale Universität ist ein Tötungsfeld. Sie tötet auf vielerlei Weise. Ardays Tod ist ein weltweit sichtbares Symptom dieses vielfachen Tötens. Und traurigerweise sind wir alle, die wir in ihren „Minen“ arbeiten, daran beteiligt. Das Netz der Kompliz*innenschaft ist weit und tief. Wenn die Affäre Arday mehr bedeuten soll als seinen individuellen Fall, dann sollte sie diejenigen von uns, die mit der Universität verbunden sind, dazu bringen, sich ein für alle Mal mit dem ungerechten Fundament der Universität als Institution und ihrer ungleichen Verteilung von Ressourcen auseinanderzusetzen.
Der fortwährende Versuch einiger, die Universität als einen „woken“ Ort beschränkten Denkens darzustellen, der von einem linksradikalen Regime beherrscht werde, das dieses Denken zugleich überwache, ist eine Fiktion, mit der sich bereits andere Autor*innen dieses Magazins auseinandergesetzt haben. Dennoch sollte der Hinweis genügen, dass die jüngsten, kaum verhüllten persönlichen Tiraden gegen eine angeblich woke, EDI verpflichtete Universität – siehe etwa The Atlantic – darüber hinwegtäuschen, dass die Universität als Institution nach wie vor ein zutiefst konservativer Ort ist. Ihre Führungskräfte folgen der politischen Linie, die Regierungen, Unternehmen und reiche Geldgeber*innen vorgeben.
In den vergangenen Jahren standen diese Führungskräfte fest im Lager neoliberaler Austerität und des Faschismus; manche bekennen sich laut und stolz dazu, andere setzen diese Politik stillschweigend an ihren Institutionen um. Die Fiktion einer woken Universität, die von linken Kadern und EDI übernommen worden sei, kommt ihrem konservativen Establishment zugute, weil sie verschleiert, wie die Universität tatsächlich unser aller Leben prägt – selbst das Leben derjenigen, die niemals einen Fuß auf ihren Campus setzen werden. Die Auseinandersetzungen um die Geistes- und Sozialwissenschaften verdecken diese weitaus folgenreichere – und tödlichere – Arbeit.
Die Universität befindet sich nicht einfach in einer Krise. Die Universität ist die Krise.
Zwei Dinge können gleichzeitig wahr sein. Dass die Universität angegriffen wird und dass sie sich zugleich an genau jenen Bedingungen beteiligt, die diese Angriffe ermöglichen, ist kein Widerspruch. Es entspricht der Funktionsweise der Universität. Dass sie behauptet, ein Ort der Demokratie und der Meritokratie zu sein, tatsächlich aber nichts dergleichen ist, dürfte niemanden überraschen, der mit ihr als Institution vertraut ist.
Die Universität ist ein Schlachtfeld. Manchmal werden Fortschritte erkämpft, zu anderen Zeiten werden sie wieder zurückgenommen. In diesem Augenblick werden innerhalb der Universität mehrere Kriege geführt: der Angriff auf die Geistes- und Sozialwissenschaften, die Angriffe auf pro-palästinensische Studierende, Lehrende und Beschäftigte, die Angriffe auf alle, die versuchen, die Universität dazu zu bringen, tatsächlich jener demokratische Ort zu werden, der sie zu sein behauptet, und der Versuch, Lernen nach den Launen und im Dienste der Mächtigen und Besitzenden in Unterordnung zu verwandeln. Hinzu kommen die bewusste Selbstzerstörung der Universität durch ihre Hingabe an KI und ihre Weigerung, die eigene Rolle bei der Gestaltung der Gesellschaft anzuerkennen – einer Gestaltung, die meist keineswegs dem Wohl aller dient.
Die Universität als Institution befindet sich also zugleich in der Krise und ist selbst die Krise – für jede*n, der bereit ist, sie sorgfältig und ernsthaft zu betrachten.
Meine erste akademische Stelle auf einer Tenure-Track-Laufbahn trat ich 1995 an. Schon damals befand sich die Universität in der Krise, und etwa drei Jahrzehnte später ist sie es noch immer. Ebenso wahr ist, dass im Zentrum der Krisen, in die die Universität verstrickt ist, Schwarze, Indigene und nichtweiße Wissenschaftler*innen, Studierende und Beschäftigte stehen. Jene Menschen also, die die moderne Universität größtenteils auszuschließen versucht hatte und die sie mithilfe ihrer vielfältigen kolonialen und imperialen wissenschaftlichen Energien zu minderwertigen Menschen oder überhaupt zu Nichtmenschen zu machen versuchte, sind seit den 1960er Jahren in ausreichender Zahl in die Universität eingetreten, um ihre Existenzweise infrage zu stellen, herauszufordern und den Versuch zu unternehmen, sie umzustürzen.
Dennoch konnte die Universität ihre Vorherrschaft bewahren, indem sie einige wenige von ihnen an den Privilegien ihres Projekts beteiligte: Einige wurden zu vermeintlich Würdigeren als die anderen geadelt, während andere schlicht als Unruhestifter*innen abgeschrieben wurden.
Die tiefgreifende Wirkung der Black Studies, Ethnic Studies, Frauen- und Geschlechterforschung sowie der Critical Race Theory besteht darin, dass sie die rassistischen, patriarchalen und heterosexistischen Grundlagen der Universität offengelegt, sie zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung gemacht und gezeigt haben, wie koloniale und imperiale Logiken bis heute das Ethos der Universität insgesamt bestimmen.
An der heutigen Universität steht alles, was „Studies“ im Namen trägt, besonders unter Beschuss, weil von dort die bedeutendsten intellektuellen Herausforderungen ausgehen. Tatsächlich sind diese Programme jedoch nach praktisch jedem Maßstab chronisch unterfinanziert. Seit Langem sind sie dem konservativen Regime der Universität untergeordnet, das über Tenure-Anforderungen, Preise, Fördermittel, Freistellungen und – nicht zuletzt – Grenzziehungen verwaltet wird, mit denen sie ihre Legitimität als „neue Disziplinen“ behaupten müssen.
Wenn erklärte Konservative also jene Programme angreifen, die „Studies“ im Namen tragen, zeigen sie damit lediglich, dass die Universität selbst ihre eigene Krise hervorbringt. Dennoch haben gerade diese Programme – insbesondere unter weißen Frauen und inzwischen auch einigen Schwarzen, Indigenen und POC-Wissenschaftler*innen – hervorgebracht, was Steven Thrasher die „Aufseherklasse“ nennt: Menschen, deren Aufgabe darin besteht, die widerspenstigen anderen zu kontrollieren oder uns dadurch zu zähmen, dass sie in uns den Wunsch wecken, jene äußerst wenigen Plätze tatsächlicher oder vermeintlicher Macht innerhalb der Institution zu erreichen.
In den vergangenen zehn oder etwas mehr Jahren wurde EDI als der Mechanismus verstanden, durch den diese Aufseherklasse in die Universität gelangt sei, auch wenn dies eine kurzsichtige Darstellung ihrer Geschichte ist. EDI fungierte als Dog Whistle – als codiertes Signal für die Behauptung, nichtweiße Menschen seien für die Positionen, die sie innehaben, nicht qualifiziert. Gleichzeitig verteidigten seine Befürworter*innen EDI, als wäre es die einzige Politik, für die zu kämpfen sich lohne.
Doch zu EDI gibt es mehr als zwei mögliche Positionen. Man kann dafür oder dagegen sein. Man kann aber auch der Auffassung sein, dass EDI bei Weitem nicht weit genug gegangen und vollkommen und katastrophal gescheitert ist. Das ist meine Position.
Diese dritte Position verlangt ein anderes Ethos der Universität. Es stellt sich heraus, dass viele Befürworterinnen von EDI überhaupt keine andere Universität wollten. EDI ist längst gescheitert, ganz gleich, was seine Verteidigerinnen behaupten. Was sie wollten, war ein Anteil an der historischen Beute der weißen Männer – und einiger weißer Frauen: ein Anteil an der ungleichen Universität. Und sobald sie ihren Platz am Rand des exklusiven Clubs erhalten hatten, wurden Preise, Mitgliedschaften und Ehrungen zu ihrem Lebensmittelpunkt – all jene Dinge also, die ihnen vermitteln, etwas Besonderes zu sein.
Das spätmoderne akademische Leben folgt inzwischen dem Rhythmus der Preisverleihungssaison: Ausschreibungen, Empfehlungs- und Unterstützungsschreiben, Uploads in Online-Portale, Genehmigungen von Vorgesetzten auf jeder Ebene und anschließend das Warten auf Bekanntgaben – und Absagen. Danach folgen die Verkündungen der „Gewinner*innen“ in Fachbereichen und in der gesamten Universität, verstärkt durch soziale und traditionelle Medien, Hochschulzeitungen und universitätsweite E-Mails, begleitet von Porträts und Interviews.
Diese verführerische Produktion von Besonderheit ist zum herrschenden Prinzip geworden. Doch sie verdeckt die zutiefst ungleiche Verteilung von Ressourcen.
Meiner Ansicht nach ist die Affäre Arday ein Beispiel dafür. Ich vermute – wie Heidi Mirza in der New York Times, die dort als eine Mentorin Ardays bezeichnet wird –, dass Ardays Ambitionen ihn für die Verführungsmaschine des akademischen Betriebs besonders anfällig machten. Diese Feststellung macht ihn nicht zu einem Einzelfall, sondern zu einem von vielen.
Angesichts der Zeit, in der er promovierte, würde ich argumentieren, dass er darauf trainiert wurde, nach jenen Elementen seines Lebens zu leben – und sie in seinem Fall vielleicht besonders stark hervorzuheben –, die notwendig waren, um von dieser Maschine wahrgenommen zu werden. Wenn wir ehrlich sind, bin ich sicher, dass andere sich in ihm wiedererkennen können.
Viele Dinge können gleichzeitig wahr sein. Ardays Lage war die eines bestimmten Typus Schwarzen Wissenschaftlers – und natürlich auch anderer –, aber sie war nicht die Lage der Black Studies oder der Critical Race Theory und ihrer tiefgreifenden Neuorientierung der Wissensproduktion. Diese Forschungsfelder haben das herrschende Regime des Weißseins herausgefordert. Genau deshalb wollen die Christopher Rufos dieser Welt sie aus der Universität entfernen.
Sie haben sichtbar gemacht, wie die Universität das Leben auf diesem Planeten prägt und deshalb ein Schauplatz bedeutender politischer Kämpfe um die Produktion von Wissen ist. EDI als institutionelle Politik verwischt und verdeckt leider die Wirkung dieser Forschungsfelder, indem es den Eindruck erweckt, beides sei dasselbe. Das ist es nicht.
EDI in seiner gegenwärtigen Form ist den Kampf nicht wert. Dass konservative Kommentatorinnen und andere versucht haben, Ardays Fall als Beweis für die Illegitimität dieser Forschungsfelder zu benutzen, zeigt ihren fortdauernden Versuch, so viele Schwarze, Indigene und POC-Wissenschaftlerinnen wie möglich aus der Universität zu vertreiben. Dieser Wunsch verweist zurück auf die Universität vor den 1960er Jahren, in deren Fluren kaum nichtweiße Wissenschaftler*innen anzutreffen waren.
Ardays Situation zeigte vielmehr, wie die Universität versucht hat, die radikaleren Forderungen der 1960er Jahre nach Transformation zu zähmen: durch die Auswahl, Förderung und Vermarktung ganz bestimmter Individuen, um weitergehenden Forderungen nach Rechenschaft, Transformation und – ganz offen gesagt – einer neuen Institution zuvorzukommen.
Arday war ein Symptom einer Universität, die sich gegen Veränderung wehrt, und kein Symbol einer Universität, die sich verändert – entgegen anderslautenden Behauptungen. Seine Berufung stellte ganz gewiss keine Übernahme durch die Linke oder sogenannte woke Identitätsarmeen dar. Im Gegenteil: Arday konnte gerade deshalb aufsteigen, weil sein Profil all das verkörperte, was die konservative Institution angeblich schätzt.
Er konnte als Beweis für ihre viel gepriesene Vorstellung einer inklusiven Demokratie dienen – eine Vorstellung, von der jede*r, der die Funktionsweise der Universität kennt, weiß, dass sie eine Lüge ist. Wäre Arday tatsächlich ein Symbol der woken Universität gewesen und nicht – freiwillig oder unfreiwillig – ein Mittel, weitergehende Forderungen nach Transformation und einer Erneuerung von Gleichheit und Gerechtigkeit abzuwehren, dann wäre seine Lebensgeschichte nicht wichtiger gewesen als seine Forschung. Tatsächlich hätte seine Forschung dafür gesorgt, dass man ihn fürchtete.
Diejenigen von uns, die eine grundlegende Neubewertung von Wissensansprüchen, Forschungsfeldern und selbst ganzen Disziplinen verlangen – wie es die vielen unbekannten Wissenschaftlerinnen der Black Studies, Frauen- und Geschlechterforschung, Queer Studies, Ethnic Studies, Critical Race Theory und anderer Bereiche getan haben –, werden sowohl von Universitätsleitungen als auch von EDI-Befürworterinnen zu Unruhestifter*innen erklärt.
Damit möchte ich Ardays wissenschaftliche Arbeit keineswegs herabsetzen. Worauf ich hinweise, ist die Verführung durch die Aufnahme – die seduction of induction – in königliche Gesellschaften, Akademien und ähnliche Vereinigungen. Viele ihrer Mitglieder sind lediglich einer kleinen Zahl von Menschen innerhalb ihres jeweiligen Fachgebiets bekannt. Von Persönlichkeiten wie Arday dagegen wird verlangt, mehr als das zu sein. Wir müssen fragen, warum. Und wir müssen fragen, warum sie – und wir selbst – bereit sind, diese Rolle anzunehmen.
Die Verführungsmaschine der Universität – Mitgliedschaften, Preise, Ehrungen, Stiftungsprofessuren – erfasst heute alles vom Bachelorstudium bis zur ordentlichen Professur. Das ist die spätmoderne Universität, in der wir arbeiten müssen.
Ihre ständig wachsende Zahl von Preisen unterscheidet zwischen denen, die als würdig gelten, und denen, die es nicht tun. Vor allem aber entschärft sie wissenschaftliche Arbeit, die über die Mauern der Universität hinauswirken sollte, indem sie diese fest innerhalb der Institution hält und auf den saisonalen Rhythmus von Preiskomitees und Bewerbungsfristen ausrichtet.
Das sagt viel darüber aus, wie die Universität als Kontrollregime funktioniert. Insbesondere nichtweiße Lehrende und Doktorand*innen, die solche Auszeichnungen erhalten, werden dazu gebracht zu glauben, sie seien etwas Besonderes. Seit 30 Jahren beobachte ich diesen bewusst erzeugten Krisenmechanismus und habe mich – als sich die Bedingungen meiner eigenen Arbeit veränderten – auch selbst daran beteiligt, während die Universität ihre angeblich knappen Ressourcen ungleich verteilte. Die Universität trägt selbst zur Entstehung ihrer Krise bei, weil diese Krise ihren Führungskräften nützt.
Ich habe beispielsweise in vielen Auswahlkommissionen gesessen, deren Verfahren sich im Laufe der Jahre zu wahrhaft merkwürdigen Praktiken entwickelt haben. Wer bereits eine Auszeichnung erhalten hat, gilt automatisch als eine*r der Besten und zumindest als würdig, auf die engere Auswahlliste zu kommen. Für diejenigen, die noch nie ausgezeichnet wurden, bleibt entsprechend wenig Platz.
Noch nie ausgezeichnet worden zu sein, macht einen weniger würdig, für eine Auszeichnung berücksichtigt zu werden. So entstehen kleine Clubs mehrfach Dekorierter, deren Mitglieder sich gegenseitig reproduzieren. Gleichzeitig kann jemand ein äußerst gefragter Verfasser von Empfehlungsschreiben oder Gutachter für Preise, Förderungen, Stipendien und Forschungsaufenthalte sein, für die die eigene Arbeit niemals ernsthaft infrage käme. Auch ich habe als Bestandteil meiner beruflichen Pflichten über solche Verfahren entschieden, sie bewertet und an ihnen teilgenommen.
All dies hält wichtige Arbeit – kritische Arbeit – innerhalb der Universität gefangen. Preisträger*innen beginnen häufig, die Auszeichnung selbst als Leistung zu betrachten, und erkennen deshalb nicht immer, wie die Universität ihren Beitrag und ihre Auseinandersetzung mit einer breiteren Öffentlichkeit entschärft hat.
Es geht nicht darum, dass Menschen für ihre Leistungen nicht geehrt oder gefeiert werden sollten. Das Problem besteht darin, dass diese Ehrungen inzwischen zu einem Täuschungsmanöver geworden sind, das ernstere und dauerhaftere Probleme verdeckt: wirkliche Diversität etwa oder erhebliche Finanzierungslücken, zumindest an den meisten öffentlichen Institutionen.
Wenn eine Auszeichnung nicht dazu führt, dass deine Arbeit größere Verbreitung findet, bleibt sie innerhalb der universitären Einhegung gefangen. Ich weiß außerdem, dass Führungskräfte Preise und Ehrungen benutzen, um Menschen zu bestrafen oder zu bevorzugen. Diese Ehrungen sollen etwas Tieferliegendes bewahren: Weißsein und sein Herrschaftsregime, das darüber entscheiden darf, was tatsächlich zählt. Überlege es dir gut, wenn dieses Regime dir auf die Schulter tippt.
Und Menschen sterben buchstäblich bei dem Versuch, diese Auszeichnungen zu bekommen. Wenn sie nicht daran sterben, bedienen sie sich aller möglichen fragwürdigen Praktiken, um Anerkennung zu erlangen. Wie bereits gesagt: Die Kompliz*innenschaft ist weit und tief.
Gleichzeitig haben in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten – mit dem Aufstieg und den sich wandelnden sozialen Dynamiken der sozialen Medien – Plagiate und Plagiatsvorwürfe explosionsartig zugenommen. Die Vorstellung, Ideen und selbst einzelne Wörter und Formulierungen könnten patentiert, urheberrechtlich geschützt und Ähnliches werden, hat im akademischen Leben zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Natürlich gibt es Plagiate, und mächtige Wissenschaftler*innen und andere stehlen Arbeiten, verarbeiten die Ideen anderer neu und begehen Fehlverhalten unterschiedlichster Art. Doch gleichzeitig ist der Vorwurf selbst trivialisiert worden. Auch wir tragen Verantwortung für die inflationäre Verbreitung solcher Anschuldigungen. Die meisten Institutionen untersuchen Plagiatsvorwürfe, sobald sie erhoben werden, und eine solche Anschuldigung kann enorm belastend und zutiefst zermürbend sein – selbst wenn man anschließend entlastet wird.
Die Explosion der Plagiatsvorwürfe hängt außerdem mit der ständig sinkenden Zahl dauerhafter akademischer Stellen mit Aussicht auf Tenure zusammen und damit, dass die Vermarktung der eigenen Lebensgeschichte zu einem zentralen Mittel geworden ist, mit dem Wissenschaftler*innen versuchen, einander auszustechen. Sie erschaffen das, was sie für Marken halten, mit immer gleichen Schlagwörtern, Phrasen und Bezeichnungen. Der Aufbau der Marke ist wichtiger geworden als die Wissenschaft selbst.
Ich werde nie vergessen, wie ein Schwarzer, inzwischen emeritierter Professor einen Schwarzen, heute berühmten Professor scharf dafür zurechtwies, den Begriff „Branding“ zur Beschreibung einer Vortragsreihe verwendet zu haben – angesichts der Geschichte der Sklaverei und des tatsächlichen Brandmarkens Schwarzer Menschen sei dies ein Affront. Dieser Austausch ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie Forschungsfelder wie Black Studies uns helfen, anders und folgenreicher über den Gebrauch von Sprache nachzudenken. Keine Sprache ist neutral, wie uns unsere Dichter*innen seit Langem gelehrt haben.
Die Universität ist kein Ort gleicher Verteilung. Ich finde die Vorstellung, alle Professor*innen stünden miteinander im Wettbewerb, häufig geradezu lächerlich. Wie soll man mit Menschen konkurrieren, die an Ivy-League-Universitäten, privaten Hochschulen oder einer sehr kleinen Zahl hervorragend ausgestatteter staatlicher Universitäten lehren?
An vielen dieser Einrichtungen können Lehrveranstaltungen gerade einmal drei oder fünf Studierende haben; faktisch spielt die Gruppengröße dort keine Rolle – klein zu sein gehört zum Prinzip. Schließlich handelt es sich bei diesen Einrichtungen um Clubs. Ebenso scheinen die Forschungsmittel bodenlos zu sein, während Forschungsfreistellungen wie an einem All-you-can-eat-Buffet verteilt werden.
Diejenigen von uns dagegen, die an schlechter ausgestatteten Hochschulen Lehrveranstaltungen mit Hunderten Studierenden abhalten – während Veranstaltungen regelmäßig gestrichen werden, weil sie angeblich zu klein sind –, die auf geringe und ständig schrumpfende, hart umkämpfte externe Forschungsförderung angewiesen sind, sechs Jahre auf Forschungsfreistellungen warten und zahlreiche weitere Demütigungen hinnehmen müssen, um ihre Arbeit überhaupt erledigen zu können, einschließlich inzwischen unserer eigenen Verwaltungsarbeit, mögen ebenfalls Professor*innen heißen und dieselbe Berufsbezeichnung tragen wie die anderen. Doch unsere Arbeit unterscheidet sich grundlegend von ihrer.
Selbst innerhalb einzelner Hochschulen und Fachbereiche haben Menschen mit der Berufsbezeichnung Professorin häufig völlig unterschiedliche Arbeitsbedingungen. **Professorin ist nicht gleich Professor*in.**
Es sollte uns deshalb nicht überraschen, dass Professor*innen der Ivy-League- und Privatuniversitäten nur selten vorzeitig sterben. Die Vermögensunterschiede zwischen den Institutionen sind zugleich Unterschiede in der Gesundheit. Die Universität besitzt viele Schlachtfelder.
Die spätmoderne Universität hat gelernt, dass sie ihre schärfsten Kritiker*innen entschärfen kann, indem sie einige von ihnen mit einem scheinbaren Insiderstatus belohnt. Sie lässt sie besonders aussehen und sich besonders fühlen, während sie ihre Kritik zugleich an die Ränder verbannt – weit weg von den Orten, an denen in den Büros der Führungsetagen die eigentlichen Entscheidungen fallen.
Stiftungsprofessuren, die Aufnahme in „renommierte“ Gesellschaften, eine Fülle interner Preise, nicht öffentlich gemachte Freistellungen, zusätzliche Mittel auf Spesenkonten und andere Vergünstigungen, mit denen individuelle Loyalität gegenüber den widerspenstigen anderen erkauft werden soll, bilden einen wesentlichen Bestandteil der Krise der Universität.
Die Menschen, aus denen die Universitätsgemeinschaft besteht, mögen glauben wollen, die Universität sei eine demokratische Institution. Sie war es nie. Ego und Narzissmus sind wichtige Triebkräfte der Universität, und ihre Führungskräfte nutzen diese Eigenschaften mit sichtlichem Vergnügen aus – mit dem tiefgreifenden Effekt, den grundlegenden Konservatismus der Institution aufrechtzuerhalten.
Die Wahrheit ist, dass Nathan Cofnas und Figuren wie er die Universität weit besser repräsentieren als die tobenden Linken aus der medialen Fantasiewelt. Tatsächlich arbeiten zahlreiche Personen vom Typ Cofnas oder Christopher Rufo still, aber einflussreich in politiknahen Positionen innerhalb der Universitäten und beraten Regierungen und Unternehmen oder entwickeln für sie politische Konzepte.
Auch sie besitzen Stiftungsprofessuren, erhalten zahlreiche Preise und Ehrungen, und manche von ihnen steigen sogar in die Universitätsleitung auf. Sie sind lediglich geschickter darin zu verschleiern, woran sie tatsächlich arbeiten und welche Auswirkungen diese Arbeit in der Welt hat.
Die Verführungsmaschine hat viele dazu gebracht, genau solche Arrangements anzustreben, statt den historischen Kampf um die Schaffung einer neuen Institution aufzunehmen. EDI war ein wesentlicher Bestandteil dieser Maschine und keine Herausforderung für das Fundament des alten Regimes.
Die Krise der Universität besteht in ihrer Unfähigkeit, ehrlich über den Charakter ihrer selbst erzeugten Krise zu sprechen. Ihre Führungskräfte teilen häufig die Perspektiven jener, die wünschen, dass die Universität zu ihrem historischen Selbst zurückkehrt: einer elitären, männlich dominierten Institution.
Tatsächlich stammen sie häufig aus derselben gesellschaftlichen Klasse, besuchten dieselben Schulen, verkehren in denselben religiösen Institutionen und gehören denselben sozialen Milieus an. Gräbt man tiefer, stellt man oft fest, dass sie durch Heirat und unterschiedliche Formen von Verwandtschaft miteinander verbunden sind.
Die Universität ist eine Nachfolgemaschine.
Nur wenige Leiterinnen öffentlicher Universitäten stellen sich beispielsweise Regierungen entgegen, die diese Institutionen fortwährend ihrer finanziellen Grundlagen berauben. Andererseits würde die Universität inzwischen jeden einspannen, auch Frauen, um ihre Ziele zu erreichen. Und viele machen bereitwillig mit.
Gleichzeitig sitzt die Universität in der Falle ihrer eigenen demokratischen Ansprüche und liberal-humanistischen Vorstellungen, die allesamt grundlegend von ihrem Elitismus überlagert sind. Sie war niemals dazu gedacht, ein sich ausweitendes, umfassendes Modell für ein Leben jenseits ihrer Tore zu werden. Einige haben diese liberalen Versprechen jedoch ernst genommen und damit teilweise selbst die Krise ausgelöst.
Diejenigen von uns, die eine andere Universität wollen – eine Universität, die ein ehrlicher und bedeutungsvoller Pfeiler des gesellschaftlichen Lebens sein kann –, kämpfen darum, das Politische sichtbar zu machen: zwischen den Marketingstrategien von EDI, den Clubs der vermeintlich Besonderen, den böswilligen Behauptungen der Konservativen, den linken romantischen Vorstellungen von einer institutionellen Demokratie, die es niemals gegeben hat, dem Aufreiben einzelner Wissenschaftler*innen aus allen möglichen Gründen – von denen die meisten nichtweiß sind – und einer Institution, die sich die Macht bewahrt hat, ihre eigene Machtlosigkeit zu behaupten, während sie gleichzeitig eine der zentralen Machtinstitutionen des spätmodernen Lebens darstellt.
Unsere konservativsten Wissenschaftler*innen gestalten Politik. Sie entscheiden darüber, was es wert ist, erforscht zu werden, wer es wert ist zu leben, und über vieles mehr. Der Einfluss dieser Menschen reicht weit über die Fachbereiche hinaus, denen sie angehören. Und die Universität möchte nicht, dass du weißt, dass genau darin ein wesentlicher Teil ihrer tatsächlichen Arbeit besteht.
Es gibt einen Grund dafür, dass die Universität ein Schlachtfeld ist: Sie führt Krieg gegen uns – gegen uns alle.
Wir brauchen jetzt eine andere Universität, denn ihre tödlichen Praktiken prägen das Leben weit über diejenigen hinaus, die in ihr studieren und arbeiten.
Genau deshalb lohnt es sich, um sie zu kämpfen.
Dieser Beitrag von Rinaldo Walcott, Schriftsteller und Kritiker, wurde aus dem Englischen übersetzt und erschien zuerst am 2. Septenmber 2026 bei Canadian Dimension.






