Die jüngsten Kontroversen um den offenen Brief von Wissenschaftlern, in dem sie ihre Solidarität mit Gefangenen im Iran zum Ausdruck brachten, und die daraus entstandene Gegenkampagne haben die Frage nach der Möglichkeit transnationaler Solidarität einmal mehr in den Vordergrund gerückt. Was ist diese Solidarität, und unter welchen Bedingungen wird sie problematisch?
Warum sehen wir uns auf verschiedenen Ebenen mit einer Krise der Repräsentation konfrontiert? Warum stimmen Stimmen von außerhalb des Iran nicht mit dem Selbstbild der Menschen im Iran und mit den Realitäten ihrer gelebten Erfahrung überein?
Zwei unzustellbare Briefe
Ich möchte meine Argumentation mit zwei Briefen beginnen, die als repräsentativ für zwei vorherrschende Diskurse innerhalb der Linken gelesen werden können: den Guardian-Brief, verfasst aus einer Perspektive, die man als „dritte Position“ bezeichnen könnte, und den „alternativen“ Brief von Behrooz Ghamari-Tabrizi, der als repräsentativ für die Kritiker des Guardian-Briefes gelesen werden kann.
Sind wir gezwungen, wenn wir über unsere eigene Situation sprechen, zwischen diesen beiden erschöpften Artikulationsformen zu wählen? Formen, deren Funktion unter den gegenwärtigen Bedingungen kaum über politische Positionierung hinausgeht: Sie liefern vorbestimmte Antworten auf vorbestimmte Fragen. In „Lasst uns an den Beginn der kalten Jahreszeit glauben“ habe ich erörtert, warum diese beiden Diskurse – insbesondere nach dem Zwölf-Tage-Krieg, den Massakern im Januar und dem Vierzig-Tage-Krieg – nicht mehr angemessen auf die Krise reagieren können, mit der politische Subjekte im Iran nach der Katastrophe konfrontiert sind.
In „Was ihnen an dem Brief des Guardian an die politischen Gefangenen im Iran nicht gefällt“ liefert Mina Khanlarzadeh eine genaue und prägnante Lektüre zu Ghamari-Tabrizis Brief. Sie weist zudem kurz auf eine Ähnlichkeit zwischen seinem und dem Guardian-Brief hin:
„Was alle drei Texte trotz ihrer tatsächlichen politischen Unterschiede verbindet, ist, dass keiner von ihnen bei der umfangreichen Literatur beginnt, in der iranische Gefangene ihre eigene politische Lage bereits beschrieben haben.“
Später fragt sie:
„Die Frage, die sich daraus ergibt, ist, ob echtes Wissen über den Iran noch in politischen Räumen erzeugt werden kann, in denen das Einnehmen der richtigen Position bereits die Aufgabe erfüllt, die eigentlich nur die fortwährende Aufmerksamkeit für den Iran selbst erfüllen sollte. Für den Brief im ‚Guardian‘ ist dieses Versagen eine Lücke, etwas, das er unvollendet lässt. Für die beiden anderen wird es zu einer Forderung: Beide liefern eine Antwort, wo eigentlich zuerst eine nachhaltige Auseinandersetzung hätte stattfinden müssen.“
Die Verfasser des Briefes im ‚Guardian‘ sagen den Gefangenen wiederholt, „wir sehen euch“; Ghamari-Tabrizi sagt ihnen wiederholt, „wir wissen“. In ihrer Konstruktion eines imaginären Adressaten namens „Irans politische Gefangene“ ähneln sich die beiden Briefe. Im Persischen gibt es einen Ausdruck, be dar begu tā divār beshnaveh – wörtlich: „Sag es der Tür, damit die Mauer es hört“ –, was bedeutet, jemanden indirekt anzusprechen, indem man scheinbar zu jemand anderem spricht. Genau diese Rolle spielen politische Gefangene in diesen beiden Briefen. Ihre politische Vielfalt und ihre unterschiedlichen Forderungen werden in beiden ignoriert. Sie fungieren als die „Tür“, an die man sich wendet, damit die „Mauer“ – das andere Lager der Linken – es hört.
Der erste Brief scheitert in seinem Versuch, Solidarität auszudrücken; der zweite hat mit einem Ausdruck von Solidarität überhaupt wenig zu tun.
Die beiden Briefe scheitern als Briefe auf zwei unterschiedliche Weisen. Der Guardian-Brief erreicht seinen angeblichen Adressaten nicht, weil sein tatsächlicher rhetorischer Adressat woanders liegt. Sein wiederholtes „Wir sehen euch“ richtet sich weniger an die politischen Gefangenen selbst als an eine Lager-orientierte Linke, für die Iraner immer wieder als politische Subjekte verschwinden, sobald ihr Leiden nicht innerhalb einer vertrauten antiimperialistischen Grammatik lesbar gemacht werden kann. Ghamari-Tabrizis Brief geht genau gegenteilig vor. Anstatt den Gefangenen verschwinden zu lassen, schafft er einen eigenen politischen Gefangenen: einen, der mit einer revolutionären Genealogie ausgestattet ist, in den „Widerstand“ des Staates eingebunden wird und durch eine Rhetorik verständlich gemacht wird, die der staatlichen Darstellung von Revolution und Antiimperialismus bemerkenswert nahekommt. Der erste Brief kann seinen Adressaten nicht wirklich erreichen; der zweite erfindet den Adressaten, den er braucht.
Vielleicht liegt das grundlegende Problem also woanders: auf einer noch grundlegenderen Ebene, nämlich in der Frage selbst, wie Solidarität im iranischen Kontext zum Ausdruck gebracht wird!
Vor drei Jahren bin ich zum Studium nach Deutschland gezogen und wurde sozusagen zu einer ‚neuen Migrantin‘. Nachdem ich mein ganzes Leben im Iran verbracht und mich dort politisch engagiert hatte, überquerte ich zum ersten Mal eine Landesgrenze und kam nur zwei Wochen vor dem 7. Oktober in Deutschland an. Ich will meine ersten Eindrücke und Beobachtungen als neue Migrantin widerspiegeln: was mir hier im politischen Raum begegnet ist und warum es mir schwerfiel, diese Beobachtungen mit meinen politischen Erfahrungen im Iran in Verbindung zu bringen.
Was von Anfang an für mich herausstach – und schnell zum Problem wurde – war das Verständnis von Solidarität. Es erschien mir als eine der vorherrschenden Formen, durch die politische Aktivität hier artikuliert wird. Zumindest taucht dies immer wieder in Erklärungen, Demonstrationen und offenen Briefen auf: der Akt, „Solidarität zu bekunden“.
Diese ständige Präsenz von Solidarität war neu für mich. Nicht, weil ich dem Wort zuvor noch nie begegnet wäre. Natürlich hatten E-Mails unter Genossen routinemäßig mit „in Solidarität“ geendet.Vor allem aber, ist Solidarität auch ein Begriff, der in der offiziellen Rhetorik des iranischen Staates häufig verwendet wird – nationale Solidarität. Es mangelt nicht an staatlichen Erklärungen, die sich auf nationale Solidarität berufen, was in der Praxis oft die Unterdrückung von Minderheiten und anderen Formen der Andersartigkeit innerhalb des Iran bedeutet hat.
Was ich hier besprechen möchte, bezieht sich speziell auf den iranischen Kontext, auch wenn ähnliche Probleme durchaus in Aktivistenszenen anderswo bestehen mögen. Die besonderen Bedingungen, die ich beschreiben werde, haben dazu geführt, dass Solidarität als politisches Konzept und als Praxis im Iran weit weniger prominent ist, als dies hier in aktivistischen und politischen Kreisen der Fall ist.
Meine Frage lautet daher: Warum fehlt der iranischen Linken eine Tradition der Solidarität und warum ist sie von der Region so isoliert geblieben? Indem ich das Fehlen einer solchen Tradition vor dem Hintergrund des iranischen Grenzregimes und seiner rechtlichen Beschränkungen untersuche, möchte ich auf einige der strukturellen Ursachen und historischen Bedingungen eingehen.
Diese Krise der Solidarität zeigt sich auf drei Ebenen:
1. Innerhalb des Landes, zwischen Aktivisten im Zentrum und denen in den Randgebieten;
2. Zwischen Aktivisten im Iran und denen in der Diaspora;
3. Auf transnationaler Ebene.
Eingesperrt in Grenzen: Der Einfluss von Grenzregimen auf die Entwicklung von Diasporagemeinschaften
Vor der Revolution von 1979 bestanden organisatorische und organische Verbindungen zwischen iranischen Aktivisten in der Diaspora und denen im Inland sowie zwischen iranischen Militanten und politischen Bewegungen in der gesamten Region. Omid Montazeri zeichnet diese Geschichte in seinem Artikel „Abandoned Legacy: The Iranian Left and the Palestinians“ detailliert nach.
Ein weiteres wichtiges Beispiel für diese Verbindungen ist der Verband iranischer Studierender, der in den 1960er Jahren in Europa und den Vereinigten Staaten offiziell gegründet wurde. Ende der 1950er Jahre, nach dem Staatsstreich von 1953 und der Unterdrückung der Nationalen Front und der Linken im Iran, verließ eine große Welle von Studierenden und politisch engagierten jungen Menschen das Land. Der Verband ist ein eindrucksvolles Beispiel für die damals bestehende unterschiedliche Beziehung zwischen Aktivisten innerhalb und außerhalb des Iran. Tatsächlich ist es in diesem Fall sogar schwierig, von Aktivisten „innerhalb“ und „außerhalb“ als getrennten Kategorien zu sprechen, da beide Seiten so eng miteinander verflochten waren. Die Studierenden kamen nach Europa mit der Absicht, irgendwann zurückzukehren, um ihr Leben und ihre politischen Aktivitäten im Iran fortzusetzen. Anstatt dass Aktivisten einfach „im Inland“ oder „im Ausland“ angesiedelt waren, durchlief die politische Aktivität innerhalb und außerhalb des Landes verschiedene Phasen.
Diese relative einfache Grenzüberquerung prägte eine besondere Form des politischen Aktivismus. Die Ein- und Ausreise aus dem Iran war für einen viel breiteren Personenkreis möglich. Das Bündnis, das sich ursprünglich aus studentischen, gewerkschaftlichen und akademischen Anliegen gebildet hatte, reagierte schnell auf politische Entwicklungen sowohl im Iran als auch im Ausland und verlagerte seinen Schwerpunkt auf antidiktatorischen politischen Aktivismus. Bemerkenswerterweise hatte sie auch erheblichen Einfluss auf die europäischen Studentenbewegungen der 1960er Jahre, insbesondere in Deutschland. Die verschiedenen politischen Strömungen, die damals im Iran aktiv waren – darunter linke, marxistische und islamistische Organisationen – versuchten, ihren Einfluss innerhalb des Bündnisses auszubauen.
Dieses Ausmaß an politischer Verflechtung mit der Gesellschaft anderer Länder, verbunden mit starken Beziehungen zu Aktivisten im Iran, ist heute selten anzutreffen. Das Bündnis fungierte im Wesentlichen als Brücke zwischen Oppositionsbewegungen im Inland und transnationalen politischen Netzwerken.
Heute existiert diese Form der Verbindung weder im Falle des Iran noch in einigen anderen Ländern mit vergleichbaren Bedingungen, insbesondere dort, wo sich Diasporagemeinschaften größtenteils durch politisches Exil gebildet haben.
Diese Schließung der Grenzen wirkt sich nicht nur in eine Richtung aus. Auf der anderen Seite der Grenze haben die meisten Iraner ebenfalls nur sehr begrenzte Möglichkeiten, das Land zu verlassen. Unter den im Iran lebenden Menschen herrscht ein tiefes Gefühl, innerhalb der Landesgrenzen eingesperrt zu sein, im eigenen Land im Exil zu leben. Insbesondere seit der Verhängung und Verschärfung der Sanktionen haben der zunehmender Wertverlust von Reisepass und Währung die internationale Mobilität für einen Großteil der Bevölkerung unzugänglich gemacht. In der Praxis ist der Zugang zu Mobilität – also die Möglichkeit, das Land zu verlassen und zurückzukehren, anstatt es einfach nur zu verlassen – weitgehend den Wohlhabenden vorbehalten.
Diese Abschottung innerhalb nationaler Grenzen hat iranische Aktivisten tiefgreifend isoliert, indem sie ihre Möglichkeiten einschränkte, direkte Verbindungen über die Grenzen hinweg aufzubauen. Eine iranische Forscherin oder Aktivistin kann nicht einfach an einer Konferenz im Ausland teilnehmen und hat daher weitaus weniger Möglichkeiten, direkte, unvermittelte Beziehungen zu Aktivisten und akademischen Netzwerken anderswo aufzubauen.
Ein weiterer wichtiger Faktor, über das Grenzregime hinaus, der zur Isolation von Aktivisten im Iran beiträgt, liegt im Rechtssystem und in der Kriminalisierung politischer Aktivitäten.
Ein Grundprinzip des politischen Aktivismus im Iran: Kein Kontakt zur Außenwelt
Betrachtet man die Beschuldigungen, aufgrund derer der iranische Staat politische Aktivisten festnimmt und strafrechtlich verfolgt, so lassen sich zwei Hauptkategorien erkennen. Im Iran wird „politisches Verbrechen“ formal nicht als eigenständige Kategorie anerkannt; stattdessen werden politische Aktivisten routinemäßig wegen Verstößen gegen die nationale Sicherheit strafrechtlich verfolgt. Aus diesem Grund hat der Staat stets betont, dass er keine politischen Gefangenen festhält, sondern lediglich Personen, die wegen Verstößen gegen die nationale Sicherheit verurteilt wurden.
Ein wichtiger Anklagepunkt, der mit schweren Strafen geahndet wird, betrifft die Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten. Der Geltungsbereich dieser Anschuldigung ist äußerst vage und weit gefasst. Sie kann zu langen Haftstrafen führen und in ihrer extremsten Form – wenn sie als Spionage umgedeutet wird – sogar zur Todesstrafe. So droht beispielsweise der Gewerkschaftsaktivistin Sharifeh Mohammadi derzeit die Todesstrafe in einem Fall, der unter dem Vorwurf der Gefährdung der nationalen Sicherheit geführt wird. Unter diesen Umständen ist es zu einem der Grundprinzipien des politischen Aktivismus im Iran geworden, den Kontakt zur Außenwelt zu vermeiden – einschließlich der iranischen Diaspora, ganz zu schweigen von Aktivisten aus anderen Ländern. Dies ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Überlebensprinzip: Ein Verstoß dagegen kann nicht nur einen selbst, sondern auch andere in Gefahr bringen. Aktivisten achten daher oft darauf, öffentlich zu demonstrieren, dass sie keine Verbindungen zu ausländischen Medien, Organisationen oder Aktivisten haben.
Gewerkschaftsaktivisten der Teheraner Busfahrergewerkschaft wurden beispielsweise wegen ihrer Kontakte zu französischen Gewerkschaftern zu langen Haftstrafen verurteilt. Infolgedessen mussten selbst Gewerkschafter im Iran einige der grundlegendsten Formen transnationaler Kontakte zu ihren Kollegen im Ausland vermeiden.
Ein Überlebensprinzip des politischen Aktivismus: Die Vermeidung der Anerkennung als Gruppe
Es mag überraschen, dass, im Gegensatz zur Verbreitung von Kollektiven in der iranischen Diaspora, Kollektive innerhalb des Iran relativ selten sind. Ich möchte hier nicht zu sehr auf die allmähliche Ablösung politischer Organisationen durch Kollektive eingehen. Mein Punkt ist viel unmittelbarer: Anders als hier, wo sich schon zwei oder drei Menschen, die zusammenarbeiten, öffentlich als Kollektiv bezeichnen können, sind Aktivisten im Iran äußerst vorsichtig, wenn es darum geht, als Gruppe benannt oder erkannt zu werden.
Dies liegt zum Teil an einer weiteren Kategorie von Verstößen gegen die nationale Sicherheit, die routinemäßig zur Strafverfolgung von Aktivisten herangezogen wird: das „Handeln gegen die nationale Sicherheit durch die Gründung oder den Beitritt zu einer Gruppe“. Es gibt im Iran unzählige informelle Zusammenkünfte, bei denen Menschen gemeinsam arbeiten, ohne sich jemals als Gruppe zu bezeichnen oder öffentlich als solche aufzutreten. Unter dem Druck dieser Strafbestimmungen hat die politische Aktivität im Iran eine besondere Organisationsform angenommen.
Was als „Gruppe“ ausgelegt werden kann, ist bemerkenswert fließend. Kürzlich wurden beispielsweise mehrere Aktivistinnen allein wegen der Beteiligung in einer Telegram-Gruppe verurteilt, während die Person, die die Gruppe gegründet hatte, zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Ich möchte betonen, wie gefährlich die „Gründung einer Gruppe“ für Aktivisten im Iran werden kann, selbst wenn die „Gruppe“ nur als Telegram-Chat existiert. In einem anderen Fall wurde die Gründung einer Telegram-Gruppe, deren Ziel es war, gemeinsam Verónica Gagos „Feminist Strike“ zu übersetzen, unter demselben Vorwand strafrechtlich verfolgt.
Der Wandel hin zu individualisiertem Aktivismus und der Nutzung sozialer Medien
Unter diesen Umständen basiert Aktivismus nicht mehr in erster Linie auf kollektiven Prozessen der gemeinsamen Ressourcennutzung, Organisation und Koordination, sondern findet zunehmend über digitale Plattformen statt. Soziale Bewegungen erfordern per Definition Verbindungen zwischen politischen Akteuren und Formen der horizontalen Koordination. Doch unter den von mir beschriebenen Bedingungen – wo Aktivismus zunehmend individualisiert ist, wo Menschen es vermeiden, öffentlich als Gruppen aufzutreten, und wo Aktivisten im Iran keine dauerhaften Verbindungen zu politischen Gruppen und Bewegungen außerhalb des Landes haben, sei es in der Diaspora oder anderswo in der Region –, was bedeutet Solidarität, wenn ihr eine materielle Grundlage in tatsächlichen politischen Beziehungen fehlt?
Genau aus diesen materiellen und historischen Gründen hat die iranische Linke nach und nach viele ihrer Verbindungen zu politischen Bewegungen in der gesamten Region verloren. Verbindungen, die vor der Revolution von 1979 zwischen iranischen Linken und regionalen Bewegungen bestanden, wurden zunehmend durch vom Staat organisierte Beziehungen verdrängt. Nach dem Massaker an Linken im Jahr 1988 wurde die organisierte Linke im Iran weitgehend zerschlagen.
Unter diesen Umständen wurde eine Politik der Solidarität, die eigentlich radikal hätte sein müssen, auf den bloßen Ausdruck von Solidarität reduziert, ohne dass dies bedeutende politische Konsequenzen nach sich zog. Tatsächlich ähnelt das, was wir oft erleben, eher Mitgefühl als Solidarität. Politische Erklärungen ähneln mittlerweile den rituellen Glückwunsch- und Beileidsbotschaften, die Staatschefs bei feierlichen Anlässen austauschen. Ihre Funktion ist oft mehr affektiv als politisch. Sie folgen sogar einer bestimmten Etikette: Wie man eine „angemessene“ Beileidsbekundung verfasst, was Empathie von Mitgefühl unterscheidet – ihr habt diese Diskussionen alle schon auf Instagram gesehen.
Aber Solidarität mit wem? Diese Formen „transnationaler Solidarität“ werden oft in erster Linie mit Aktivisten der Diaspora aufgebaut. Und wie sind die Aktivisten der Diaspora selbst mit politischen Akteuren im Iran vernetzt? Oft über bestimmte Personen in Teheran oder über Personen, die in diesem Bereich als „Kontakte“ bezeichnet werden. Dies wirft eine größere Frage auf: Was genau repräsentieren Diaspora-Aktivisten bei der Bildung transnationaler Solidarität?
Transnationale Vernetzung
Aufgrund der von mir beschriebenen Bedingungen – transnationale Verbindungen, die weitgehend individualisiert sind, verbunden mit dem, was Jo Freeman treffend als „die Tyrannei der Strukturlosigkeit“ bezeichnet hat – begegnen wir zunehmend nicht Organisationen, sondern Individuen, die als Bindeglieder zwischen ansonsten getrennten politischen Räumen fungieren. Verbindungen, Austausch und Informationsflüsse drehen sich zunehmend um ihre persönlichen Beziehungen. Vielleicht sollten wir unter diesen Umständen nicht von transnationaler Organisation, sondern von transnationaler Vernetzung sprechen.
Diese Netzwerke entstehen durch Beziehungen zwischen Individuen über nationale Grenzen hinweg, wobei sie gleichzeitig bestehende Machtverhältnisse und Ungleichheiten innerhalb des politischen Feldes reproduzieren. Die Kartierung dieser Machtverhältnisse ist daher von entscheidender Bedeutung: Sie prägen nicht nur, wie Wissen über den Iran produziert wird, sondern auch, wie sich unsere Politik selbst gestaltet. In diesem Sinne werden transnationale Netzwerke nicht weniger von materiellen Bedingungen geprägt als das politische Handeln innerhalb des Iran: Grenzregime und Strafgesetze bestimmen die Art und Weise, in der Politik überhaupt ausgeübt werden kann.
Illegale Grenzübertritte: Solidarität durch Schmuggel
Auffällig ist jedoch, dass in den iranischen Grenzregionen – insbesondere in Kurdistan und Belutschistan, wo das Grenzregime anders funktioniert – andere Formen politischer Verbindungen möglich werden. Entlang der kurdischen und belutschischen Grenzen zeigen Praktiken wie „Kolbari“, der grenzüberschreitende Warentransport, und der Kraftstoffschmuggel, dass die Grenzen zwar streng überwacht werden, aber dennoch ständig überschritten werden. Politische Traditionen, Ideen und Praktiken haben sich in ähnlicher Weise durch die Brüche dieser Grenzregime verbreitet. So wie Waren Grenzen über Routen überschreiten, die der Staat als illegal definiert, haben sich politische Bewegungen gegenseitig durch Verbindungsformen beeinflusst, die über die genehmigten Mobilitätskanäle hinausgehen.
Ich möchte auf einige Beispiele eingehen, für die Verbindungen, die zwischen politischen Bewegungen entstehen, wenn das Grenzregime auf diese Weise zerrissen ist.
Belutschische Frauenaktivistinnen haben beispielsweise eine wichtige Rolle dabei gespielt, die Bewegung für Gerechtigkeit in Belutschistan in persischsprachige politische Räume zu tragen. Dekoloniale Debatten sind von der Ostgrenze des Landes aus in die politischen Diskussionen im Iran eingedrungen – nicht durch Genossinnen an europäischen oder nordamerikanischen Universitäten und auch nicht in erster Linie vermittelt durch westliche akademische Debatten.
Ebenso gelangte der Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ über die Grenzen Kurdistans hinweg in den Iran.
Diese Beispiele für „geschmuggelte“ Solidarität zeigen, wie in Regionen, in denen grenzüberschreitende Mobilität weiterhin möglich ist, Menschen politische Traditionen organisch über Grenzen hinweg weitergeben. Sie bieten zudem einen Ansatz zum Verständnis der Krise der Solidarität und Repräsentation, der Entfremdung der Linken von den politischen Realitäten im Iran sowie der tiefgreifenden politischen und interpretativen Kluft, die sich zwischen den Menschen im Iran und den politischen Bewegungen in der gesamten Region aufgetan hat.
Dieser Aufsatz begann mit der Frage, warum es der iranischen Linken an einer Tradition der Solidarität mangelt und warum Ausdrucksformen transnationaler Solidarität problematisch werden, wenn sie die materiellen und historischen Bedingungen außer Acht lassen, die eine solche Solidarität überhaupt erst ermöglichen. Ich habe erörtert, wie das restriktive Grenzregime des Iran und die Kriminalisierung politischer Aktivitäten die Formen geprägt haben, die politischer Aktivismus annehmen kann, und wie diese Bedingungen die Kluft zwischen den Traditionen des linken Kampfes im Iran und denen in der gesamten Region vertieft haben. Ähnliche Klüfte haben sich auch auf anderen Ebenen vergrößert: zwischen Aktivisten im Iran und denen in der Diaspora sowie zwischen Aktivisten im Zentrum und den Außenregionen innerhalb des Iran selbst. Meine These lautet, dass es diese Zersplitterung zunehmend erschwert, von transnationaler Solidarität zu sprechen, obwohl die notwendigen politischen Beziehungen zu ihrer Aufrechterhaltung bereits existierten. Was oft als transnationale Solidarität erscheint, kommt in der Praxis eher einer transnationalen Vernetzung nahe: einer Reihe von Beziehungen, die sich um bestimmte Verbindungsknotenpunkte organisieren, deren Position und Einfluss wiederum durch Finanzierungsstrukturen und durch den durch die Vernetzung selbst generierten Wert geprägt sind.
Diese Dynamik wiederum erzeugt einen Teufelskreis in der Wissensproduktion: einen sich selbst bestätigenden Kreislauf, der die internen Erwartungen politischer Netzwerke reproduziert, anstatt ein tieferes Verständnis oder nachhaltigere politische Beziehungen zu schaffen. In einem System, das von Finanzierung, Position und Zugang geprägt ist, beginnt eine Illusion von Verbundenheit – und damit von Solidarität – zu zirkulieren, in der jeder Knotenpunkt des Netzwerks genau jene Art von Wissen und politischen Forderungen reproduziert, für deren Aufnahme das Netzwerk bereits empfänglich ist. Innerhalb dieser Struktur können auch politische Positionen von Aktivisten, bewusst oder unbewusst, von solchen formalisierten politischen Einrichtungen und sozialen Netzwerken beeinflusst werden. Eine Form der strukturellen Filterung, die auch in den Medien wirkt und zunehmend auch akademisch-aktivistische Räume bestimmt, wodurch geschlossene Kreisläufe gegenseitiger Bestätigung und interner Reproduktion entstehen. Das Problem besteht also nicht einfach darin, dass die transnationale Solidarität den Iran manchmal in einem schlechten Licht darstellt. Es besteht vielmehr darin, dass genau jene Netzwerke, durch die der Iran politisch kenntlich wird, dieselben Bedingungen der Abspaltung reproduzieren können, die sie angeblich überwinden wollen.
Dieser Beitrag von Elaheh Soroushnia wurde aus dem Englischen übersetzt und erschien zuerst auf Elaheh Soroushnias Substack.




