Während Syrien sich dem ersten Jahrestag des Sturzes Assads nähert ist die sogenannte „Übergangsphase” des Landes nicht von Reformen geprägt, sondern von Fragmentierung, sektiererischer Gewalt und einem sich verschärfenden Autoritarismus, der sich hinter religiöser Rhetorik verbirgt. Während Minderheiten wie die Drusen inmitten des Staatszerfalls und regionaler Machtkämpfe um ihr Überleben kämpfen, klammert sich die Übergangsregierung in Damaskus durch Unterdrückung, Vetternwirtschaft und symbolische Herrschaft an die Macht.
Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 und dem Beginn der sogenannten „Übergangsphase” in Syrien ist das Land weiterhin ein fester Bestandteil der internationalen Schlagzeilen, wenn auch selten aus positiven Gründen. Was sich leider herauskristallisiert hat, ist kein moderner Staat, sondern zersplitterte Machtverhältnisse, sektiererische Gewalt, extremistische Ideologie, Vetternwirtschaft und geschwächte Regierungsführung. Weit davon entfernt, echte Reformen zu signalisieren, fühlt sich diese Phase wie ein Umweg in eine autoritäre Theokratie an. Alle Anzeichen deuten auf eine Managementstrategie hin, die eher auf die Konsolidierung der Kontrolle als auf den Aufbau von Institutionen abzielt. Syrien kehrt zu einer dunkleren Ära autoritärer Kontrolle zurück, nur dass diese nun von religiöser Doktrin statt von säkularem Nationalismus geprägt ist.
Ein aktuelles Beispiel für den Zusammenbruch der zentralisierten Autorität ist die Eskalation in Suwayda, wo konfessionelle Loyalitäten die staatlichen Institutionen verdrängt haben und Minderheiten gezwungen sind, selbst für ihre Sicherheit zu sorgen. Für die drusische Bevölkerung hat sich die einst zögerliche Koexistenz mit Damaskus in bewaffnete und strategische Selbstverteidigung verwandelt. Wenn die de facto „Übergangsregierung” keine echte Inklusivität und kein echtes Engagement für die nationale Aussöhnung zeigt, droht Syrien eine weitere Fragmentierung und der Verlust seiner territorialen und sozialen Einheit.
Dieser Artikel untersucht die dringlichsten Entwicklungen in Syrien auf nationaler und regionaler Ebene. Er dient als Bewertung der Maßnahmen und der zugrunde liegenden Absichten der vorübergehenden De-facto-Regierung in Damaskus und bietet eine erste Einschätzung dieses chaotischen und turbulenten Kapitels nach Assad.
Der innere Zusammenbruch: Fragmentierung, Gewalt und Autoritarismus
Was passiert, wenn der Sturz einer Diktatur nicht den Weg für Reformen ebnet, sondern zu einem noch tieferen, fragmentierteren Autoritarismus führt, der von unkontrollierten Milizen, ideologischer Rigidität und symbolischer Regierungsführung geprägt ist? Und war das Versprechen eines „neuen Syrien“ jemals mehr als nur eine Neuauflage des gleichen autoritären Drehbuchs?
Trotz öffentlicher Feierlichkeiten zur Würdigung der neu gefundenen „nationalen Identität“ Syriens spricht die Unfähigkeit des Regimes, auch nur ein Drittel des Landes zu kontrollieren, Bände. Politisch, wirtschaftlich und sozial ist Damaskus weniger eine Regierungsinstanz als vielmehr eine Einheit, die versucht, ihre Kontrolle durch Gewalt durchzusetzen. Dem Regime fehlt die Infrastruktur, um grundlegende Dienstleistungen zu erbringen, die Legitimität um Gesetze durchzusetzen und der politische Wille die Demokratisierung oder Inklusion zu fördern. Kernfunktionen des Staates wie Justiz und Bildung werden entweder an lokale Gruppen ausgelagert oder ganz aufgegeben. Das Übergangsregime in Damaskus, das von islamistischen Fraktionen dominiert und von einer lose geformten Koalition unter Ahmed al-Sharaa geführt wird, hat es nicht geschafft, außerhalb einiger städtischer Gebiete eine bedeutende Autorität zu etablieren. Die De-facto-Verwaltung hat sich in Mustern verfestigt, die nicht nur nicht mit der Vergangenheit brechen, sondern eine Neuauflage der autoritären Herrschaft zu sein scheinen.
Suwayda, eine mehrheitlich drusische Provinz im Süden Syriens, ist mittlerweile zu einer Brutstätte lokaler bewaffneter Mobilisierung und politischer Entfremdung geworden. Die Gewalt, die im Juli dieses Jahres ausbrach und über tausend Opfer forderte, darunter überwiegend Zivilisten, ist kein Einzelfall, sondern vielmehr ein Symptom eines tieferen, systemischen Zusammenbruchs. Die drusischen Gemeinschaften sind nun von passivem Widerstand zu aktiver Selbstverteidigung übergegangen. Die Menschen in Suwayda – diejenigen, die überlebt haben – berichten von grauenhaften Gräueltaten, die von Beduinenfraktionen begangen wurden, die mit Milizen verbündet sind, die von der religiös motivierten Übergangsregierung unterstützt werden.
Es sind Videoaufnahmen aufgetaucht, die zeigen, wie Häuser vollständig niedergebrannt, Zivilisten gnadenlos brutal abgeschlachtet und unschuldige Kinder, Frauen und ältere Menschen auf unvorstellbar grausame Weise gedemütigt und getötet wurden. Ein weiteres weit verbreitetes Video zeigt einen jungen Kämpfer, der an den Zusammenstößen in Suwayda beteiligt war und offen zugibt, dass seine Gruppe direkte Unterstützung sowohl von der Regierung als auch vom Verteidigungsministerium erhalten hat. Darüber hinaus sind zahlreiche durchgesickerte Audioaufnahmen aufgetaucht, in denen regierungsnahe Personen zu einem Massaker in Suwayda aufrufen, motiviert durch sektiererische Ziele und mit dem Ziel, die Kontrolle der Regierung durch Gewalt auszuweiten. Während die Übergangsregierung die Gewalt offiziell verurteilte, werfen ihre Handlungen – oder vielmehr ihre Untätigkeit – beunruhigende Fragen auf. Entweder hat sie dieses Blutvergießen aufgrund mangelnder Kapazitäten nicht verhindern können oder, schlimmer noch, sie hat es als Teil einer umfassenderen konfessionellen Strategie toleriert. Die Unfähigkeit des Staates, Minderheiten zu schützen, gepaart mit seiner Duldung, dass radikale Elemente ungehindert agieren können, spiegelt nicht nur Inkompetenz wieder, sondern auch einen gefährlich fehlgeleiteten politischen Ansatz. Auf diese Weise untergraben die De-facto-Behörden ihre eigene Legitimität und senden eine klare Botschaft an die Minderheiten: Ihre Sicherheit liegt nicht in den Händen des Staates, sondern in ihren eigenen Händen.
Am 18. Juli organisierte eine Gruppe syrischer Aktivisten eine friedliche Sitzblockade vor dem syrischen Parlament, um gegen die anhaltende Gewalt in Suwayda zu protestieren. Der Protest stieß jedoch auf gewaltsame Reaktionen. Die Demonstranten wurden sowohl verbal als auch körperlich von Personen mit Stöcken und Stichwaffen angegriffen. Unter den Angegriffenen befand sich auch Zeina Shahla, eine prominente Journalistin, Kulturforscherin und ehemalige politische Gefangene unter dem Assad-Regime. Bis heute hat die De-facto-Regierung keine offizielle Stellungnahme zu dem Vorfall abgegeben.
Die Verbrechen in Suwayda waren kein Einzelfall. Am 22. Juni verübte ein Selbstmordattentäter während des Abendgebets einen Anschlag auf die griechisch-orthodoxe Mar-Elias-Kirche in Damaskus, bei dem mindestens zwanzig Menschen getötet und über sechzig verletzt wurden. Der Angreifer eröffnete das Feuer in der Kirche, bevor er seine Sprengstoffweste zündete. Die Behörden machten eine mit dem IS verbundene Schläferzelle dafür verantwortlich, verhafteten Verdächtige und behaupteten, einen zweiten geplanten Anschlag vereitelt zu haben. Obwohl sich zunächst keine Gruppe zu dem Anschlag bekannte, übernahm später eine weniger bekannte extremistische Gruppe, Saraya Ansar al-Sunna, die Verantwortung, was den Verdacht auf eine allgemeine Toleranz gegenüber Extremisten aufkommen ließ. Die De-facto-Regierung in Damaskus hatte es versäumt, den Anschlag zu verhindern, und damit sowohl ihre Sicherheitsmängel als auch ihre Toleranz gegenüber radikalen Elementen offenbart. Zuvor hatten Berichte über sektiererische Gewalt in Latakia und Tartus – insbesondere gegen alawitische Familien – gezeigt, dass Tausende massakriert worden waren und Zehntausende Alawiten angeblich in den Libanon geflohen waren, nicht nur aufgrund des sozialen Drucks, sondern auch als Reaktion auf direkte Drohungen, Schikanen und Beschlagnahmungen von Eigentum durch bewaffnete Gruppen, die angeblich Verbindungen zum Innenministerium hatten. Während einige behaupten, diese Gruppen seien kriminell oder mit Überresten des ehemaligen Regimes verbunden, deuten glaubwürdige Berichte darauf hin, dass die De-facto-Behörden die Hauptverantwortung dafür tragen, dass sie diese Vertreibungen und andere Missbräuche zulassen, wenn nicht sogar koordinieren. Unterdessen werden unbewaffnete, regimetreue Soldaten ohne Vorstrafen willkürlich inhaftiert, während dokumentierte Kriegsverbrecher und Geschäftsleute, die eng mit dem ehemaligen Regime verbunden sind, unter politischem Schutz frei herumlaufen.
Darüber hinaus zerstört die Struktur der Regierung langsam jede Hoffnung auf institutionelle Reformen. Die am 13. März vom Interimspräsidenten Ahmed al-Sharaa unterzeichnete Übergangsverfassung gewährt ihm weitreichende Befugnisse über alle Regierungszweige. Während politische Parteien – von denen viele bereits zuvor existierten, aber weitgehend bedeutungslos waren – aufgelöst wurden, wurde kein neuer Rechtsrahmen zur Förderung von Pluralismus oder Repräsentation eingeführt. Infolgedessen wird jede echte Opposition gegen seine Herrschaft effektiv unterdrückt.
In wirtschaftlicher Hinsicht erlaubt oder ermöglicht die De-facto-Regierung Syriens sowohl im Gebiet des Hermon als auch in Qassyoun wohlhabenden lokalen und ausländischen Eliten, Land und Ressourcen ohne angemessene rechtliche Kontrolle auszubeuten. Anstatt die Wirtschaft transparent wiederaufzubauen, übernehmen mächtige Netzwerke, die mit der Übergangsregierung verbunden sind, stillschweigend die Kontrolle über wertvolle Immobilien und Unternehmen. Diese informellen wirtschaftlichen Aktivitäten kommen einem kleinen Kreis von Eliten zugute, während sie gleichzeitig die staatlichen Institutionen schwächen und die ohnehin schon fragile Wirtschaft Syriens weiter fragmentieren. Das Ergebnis ist eine Form des wirtschaftlichen Diebstahls, der die nationale Souveränität untergräbt und private Gewinne über das öffentliche Wohl stellt.
Im täglichen Leben ist das Klima der Angst nach wie vor spürbar. Die Syrer zögern immer noch, unter ihrem richtigen Namen mit kritischen Medien zu sprechen und die wenigen verbliebenen Journalisten arbeiten unter strengen Einschränkungen. Die staatlichen Medien fungieren ausschließlich als Sprachrohr der Regierungspropaganda und haben es nicht geschafft, das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen. Diese Zensur erinnert an die des früheren Regimes. Unterdessen sind kulturelle Einrichtungen wie Kinos und Bars zunehmend Schikanen und Schließungen ausgesetzt. Das Al-Kindi-Kino, eines der ältesten noch in Betrieb befindlichen öffentlichen Kinos in Damaskus, dessen Geschichte mehrere Epochen der syrischen Kultur widerspiegelt, steht vor der Schließung, nachdem das Ministerium für religiöse Stiftungen seine Schließung und Räumung angeordnet hat. Der angebliche Plan sieht vor das Kino in ein religiöses Kulturzentrum umzuwandeln. Diese Entscheidung wurde ohne rechtliche Begründung oder vorherige Ankündigung getroffen und löste in der Öffentlichkeit große Empörung und Proteste aus. Der Schritt wird weithin als Teil einer umfassenderen Kampagne der Regierung zur Durchsetzung ideologischer Kontrolle angesehen. Zwei Tage nach der Räumungsanordnung wandte sich Jihad Abdo, Schauspieler und Leiter der Generalorganisation für Kino, an die Öffentlichkeit und erklärte, dass er nicht offiziell im Voraus informiert worden sei. Er äußerte sich überrascht und enttäuscht über die Entscheidung und betonte, wie wichtig es sei, die kulturelle Bedeutung des Al-Kindi zu bewahren. Anstatt einen Neuanfang zu markieren, spiegelt die Übergangsphase nun zunehmend die Kontrolle des früheren Regimes über das öffentliche Leben wider, diesmal jedoch unter dem Deckmantel der Religion.
Syrien auf der Weltbühne: Diplomatische Misserfolge und regionale Spannungen
Wie kann die syrische Regierung Souveränität beanspruchen, wenn nur wenige Kilometer von ihrer Hauptstadt entfernt ausländische Truppen operieren? Und was sagt es über eine Regierung aus, die Symbole der Macht zelebriert, während sie die Kontrolle über ihr eigenes Land verliert?
Während sich die inneren Verhältnisse weiter verschlechtern, haben die regionalen und internationalen Dynamiken die Schwächen und Prioritäten des De-facto-Regimes in Damaskus weiter offenbart. Die israelischen Militäroperationen im Süden Syriens haben sich intensiviert und erreichen Gebiete, die alarmierend nahe an der Hauptstadt liegen. Losgelöst von den Realitäten des Territorialverlusts hat sich Interimspräsident Al-Sharaa auf symbolische Darstellungen wie Staatsereignisse und Feierlichkeiten zu nationalen Emblemen konzentriert. Diese Handlungen dienen eher als politisches Theater denn als echte Regierungsakte, was darauf hindeutet, dass persönliche Macht wichtiger ist als die Verteidigung der Souveränität. Selbst die von Israel besetzten Golanhöhen, die einst für die syrische nationale Identität von zentraler Bedeutung waren, spielen in offiziellen Diskursen kaum noch eine Rolle. Alarmierend ist, dass sich die internationalen Verhandlungen auf die Durchsetzung des Rückzugsabkommens von 1974 verlagert haben, ohne dass die Rückeroberung der Golanhöhen als Priorität betrachtet wird. Gerüchte und Berichte deuten auch auf mögliche Pläne zur Umsiedlung palästinensischer Flüchtlinge in Syrien hin, was Besorgnis über künftige Veränderungen der regionalen Demografie und der syrischen Souveränität hervorruft. Obwohl diese Berichte unbestätigt bleiben, macht die bedingungslose Akzeptanz der israelischen Konditionen ohne Rücksicht auf die territoriale Integrität Syriens solche Ergebnisse zunehmend plausibel.
Am 16. Juli startete Israel eine Reihe von Luftangriffen auf syrische Militärstandorte, darunter das Hauptquartier des Verteidigungsministeriums, die zu Todesopfern und Verletzten führten. Wie üblich rechtfertigte Israel diese Aktion mit der Notwendigkeit, Minderheiten zu schützen, und behauptete diesmal, es gehe um den Schutz der syrischen Drusen in Suwayda – eine Behauptung, die als Lüge leicht zu durchschauen ist. Israel stellte die Luftangriffe als humanitäre Maßnahme dar, um die Regierung daran zu hindern, die drusische Minderheit im Süden des Landes anzugreifen. Das Eingreifen Israels hat jedoch nur dazu geführt, dass die Spannungen zugenommen haben und die Spaltungen innerhalb einer ohnehin schon fragilen Gesellschaft vertieft wurden. Die drusische Gemeinschaft in Syrien, insbesondere in Suwayda, leidet nun nicht nur unter brutaler Gewalt, sondern auch unter harten Vorwürfen des Verrats nach den jüngsten Luftangriffen Israels auf Damaskus. Ernsthafte Bedenken wurden laut, als das syrische Regime kürzlich die sterblichen Überreste des israelischen Spions Eli Cohen, der im Mai 1965 in Damaskus öffentlich gehängt worden war, an Israel übergab, ohne dass es zu einer gegenseitigen Vereinbarung, Verhandlungen oder auch nur einer symbolischen Anerkennung der nationalen Interessen Syriens gekommen wäre. Diese Handlung wurde auf geheimnisvolle, entschädigungslose und abweisende Weise durchgeführt und zeugt von einer Missachtung der rechtlichen und diplomatischen Stellung Syriens. Sie signalisiert die Schwäche des Staates und seine Bereitschaft, bei grundlegenden nationalen Fragen Kompromisse einzugehen, ohne Rücksicht auf historische Verantwortung oder öffentliche Rechenschaftspflicht.
Insbesondere die Drusen von Suwayda fühlen sich sowohl von ihren syrischen Mitbürgern als auch von der Regierung betrogen. Suwayda stand während der Revolution auf der Seite der Opposition und kämpfte gegen Assad für ein freies und demokratisches Syrien. Die Drusen weigerten sich auch in den letzten Jahren seines Regimes, sich dem syrischen Militär unter Assad anzuschließen. Tatsächlich war Suwayda die einzige syrische Stadt, die während Assads letzten Jahren an der Macht weiterhin rebellierte und Proteste organisierte. Doch trotz dieser Geschichte des prinzipiellen Widerstands sehen sich die Drusen nun mit Vorwürfen des Verrats konfrontiert – eine schmerzhafte Realität, die die Fragilität der nationalen Einheit in der anhaltenden Krise Syriens unterstreicht. Die Regierung in Damaskus offenbart ihren autoritären und sektiererischen Charakter, indem sie Minderheiten wie die Drusen diffamiert, und zeigt damit ihre tiefe Heuchelei, ihr Versagen bei der Förderung der nationalen Einheit und ihre Unwilligkeit, mit den repressiven Taktiken der Assad-Ära zu brechen. Anstatt Inklusion oder Reformen zu fördern, legt das Regime den Schwerpunkt auf Kontrolle durch Ausgrenzung und selektive Loyalität.
Gleichzeitig bleibt die internationale Unterstützung für die Übergangsregierung, obwohl lautstark, weitgehend symbolisch. Die meisten Länder, die behaupten, die Regierung von al-Sharaa zu unterstützen, haben keine formellen diplomatischen Beziehungen oder sinnvolle Hilfsrahmen eingerichtet. Die viel beachtete Aufhebung der internationalen Sanktionen erwies sich vor Ort als unwirksam, da sie keine echte Erleichterung oder Investitionen brachte und weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Darüber hinaus verdeutlichen al-Sharaas diplomatische Fehltritte, wie seine Weigerung, der damaligen deutschen Außenministerin Annalena Baerbock die Hand zu geben, die Unfähigkeit der Regierung, sich im internationalen Protokoll zurechtzufinden, was Syrien weiter isoliert und seine Glaubwürdigkeit auf der Weltbühne untergräbt.
Die regionale und internationale Lage in Syrien zeigt ein beunruhigendes Muster und wirft ernsthafte Fragen hinsichtlich der langfristigen Absichten der Regierung, ihrer Reformfähigkeit und ihrer Bereitschaft zum Schutz der Integrität und des gesellschaftlichen Zusammenhalts des Landes auf. Die Unfähigkeit oder Weigerung der Regierung, Minderheiten zu schützen, konfessionelle Gewalt zu bekämpfen oder sogar die illegale Umgestaltung der syrischen Wirtschaft zu verhindern, spiegelt einen Mangel an Kapazitäten, Glaubwürdigkeit und Willen zu echten Reformen wider.
Dieser Beitrag von Haya Kanj und Nour Kanj ist eine Übersetzung aus dem Englischen von Michael Täuber.



