Savak: Symbol der Gewalt des Shah auf deutschen Straßen

Folterraum der SAVAK im mittlerweile zum Museum umfunktionierten Towhid-Gefängnis in Teheran. (Bild: ZarlokX, CC BY-SA 4.0)

Am Sonntag, dem 10. Mai, zogen in Regensburg hunderte monarchistische Anhänger durch die Straßen, sichtbar begleitet von Symbolen der SAVAK, jenes iranischen Geheimdienstes, der zwischen 1957 und 1979 zu den zentralen Instrumenten politischer Repression unter der Herrschaft des Schahs gehörte und für hunderte Morde verantwortlich ist. Dass solche Zeichen heute mitten in Deutschland nicht nur vereinzelt gezeigt, sondern als ganzer Block bei einer Demo offen getragen werden, hätte eigentlich eine breite gesellschaftliche Debatte auslösen müssen. Doch die öffentliche Reaktion blieb auffallend still.

Die SAVAK war nie nur ein gewöhnlicher Nachrichtendienst. Sie wurde 1957 unter Mohammad Reza Pahlavi gegründet und mit Unterstützung westlicher Geheimdienste, insbesondere der CIA sowie des israelischen Mossad, aufgebaut. Schnell entwickelte sie sich zu einem gefürchteten Apparat aus Überwachung, Einschüchterung und Gewalt. Oppositionelle, Gewerkschafter, Studierende, linke Aktivisten, Intellektuelle und Regimekritiker wurden verfolgt, verhaftet, verhört und gefoltert. Bis heute steht der Name SAVAK für Angst, politische Gefängnisse und das systematische Schweigenmachen jeder abweichenden Stimme.

Ehemalige Gefangene berichten von psychischer und physischer Folter, von Isolation und permanenter Einschüchterung. Die SAVAK war damit weit mehr als ein Sicherheitsdienst, sie war das Rückgrat eines autoritären Systems, das Stabilität durch Angst organisierte. Im Spiegel hieß es 1979 zu diesem: „Daheim wetteiferte der Herrscher in der Zahl der offiziellen Hinrichtungen lange Zeit nur mit Südafrika. Seine Geheimpolizei Savak erprobte alles, was an Folter bewährt war, und verfeinerte es um persische Varianten.“

Wenn heute in Deutschland Menschen mit Symbolen dieses Apparates demonstrieren, dann ist das keine harmlose Nostalgie und keine folkloristische Erinnerung an die Monarchie. Es ist eine politische Botschaft. Wer die Zeichen eines historischen Unterdrückungsapparates öffentlich trägt, offenbart auch ein autoritäres Verhältnis zu Macht, Opposition und Freiheit. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Ordnung und nationale Einheit stehen über demokratischer Auseinandersetzung und politischer Vielfalt.

Das Schweigen der Medien und die Verharmlosung autoritärer Symbolik

Besonders irritierend ist dabei das Schweigen vieler Medien und Teile der Öffentlichkeit. Seit Jahren fallen monarchistische Gruppen in Deutschland durch aggressive und autoritäre Auftritte auf – ernsthaft thematisiert wird das kaum. Monatelang zogen Monarchisten durch deutsche Städte und skandierten Parolen wie „Tod den Linken“. Während der Bombardierungen Irans wurde öffentlich gefeiert und getanzt. Nun marschieren in Regensburg hunderte Menschen mit SAVAK-Symbolen und bedrohen Andersdenkende und erneut scheint dies kaum berichtenswert zu sein.

Dabei müsste gerade Deutschland sensibel auf solche Bilder reagieren. Die Geschichte dieses Landes kennt die politische Sprengkraft autoritärer Symbolik nur zu gut. Hinzu kommt, dass auch die deutsche Geschichte eine direkte Verbindung zur Pahlavi-Herrschaft besitzt: die Proteste gegen den Schah-Besuch 1967, die Gewalt monarchistischer Anhänger gegen Demonstrierende und die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg in Berlin. Die damaligen Proteste richteten sich ausdrücklich gegen die Zusammenarbeit westlicher Staaten mit einem autoritären Regime und gegen dessen brutalen Sicherheitsapparat.

Die heutige Verharmlosung monarchistischer Symbolik offenbart deshalb ein tieferes Problem. Autoritäres Denken wird offenbar bei bestimmten Gruppen toleriert. Doch Demokratie bedeutet nicht, ein autoritäres System durch ein anderes zu ersetzen. Wer gegen Unterdrückung kämpft, kann nicht gleichzeitig die Symbole eines früheren Unterdrückungsapparates rehabilitieren.

Große Versprechen, politische Verwüstung und ein vergiftetes Klima

Hinzu kommt, dass die monarchistische Bewegung in den vergangenen Jahren immer stärker zu einem politischen Problem geworden ist, weniger wegen ihrer tatsächlichen Stärke als wegen der Illusionen, die sie erzeugt hat. Die Gefahr der Monarchisten ist gebremst, aber sie ist nicht beendet, wie die gewalttätigen Übergriffe der Monarchisten auf iranische Aktivisten in verschiedenen Ländern zeigen. Weder das Land noch sie selbst werden sich so schnell von den Ruinen erholen, die sie mitverursacht haben. Vielleicht lässt sich diese Bewegung am ehesten mit einem Tsunami vergleichen: Sie kam mit enormer Wucht, hinterließ politische Verwüstung und zog weiter zumindest vorerst.

Getragen wurde sie von großen Versprechen und massiver medialer Inszenierung. Monarchistische Akteure präsentierten sich, als könnten sie innerhalb kürzester Zeit die politische Realität im Iran verändern. Viele Menschen, verzweifelt auf der Suche nach einem Ausweg aus Unterdrückung, wirtschaftlicher Not und Perspektivlosigkeit, klammerten sich an diese Erzählung. Doch Hoffnungen wurden geweckt, die weder realistisch noch tragfähig waren.

Mit Aufrufen zu unüberlegten Aktionen und symbolischer Eskalation wurden Menschen in gefährliche Situationen gedrängt. Krieg wurde als Rettung verkauft, ausländische Intervention als Befreiung dargestellt. Das Ergebnis war nicht Freiheit, sondern weitere Zerstörung – politisch, gesellschaftlich und menschlich. Der Schaden beschränkte sich dabei nicht nur auf den Iran selbst, sondern reichte tief in die iranische Diaspora hinein.

Besonders sichtbar wurde dies in der Vergiftung des politischen Klimas innerhalb der Exilgemeinschaft. Mit Parolen wie „Tod den Linken“ wurden Andersdenkende zu Feinden erklärt. Statt demokratischer Debatte entstand ein Klima aus Einschüchterung, nationalistischer Hysterie und autoritärer Aggression. Die Folgen davon sind bis heute spürbar.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Demonstration in Regensburg nicht als Ausrutscher, sondern als konsequente Fortsetzung derselben politischen Logik. Statt sich kritisch mit der autoritären Vergangenheit auseinanderzusetzen, wird sie offen verklärt. Statt demokratische Werte glaubwürdig zu vertreten, werden die Symbole politischer Repression normalisiert.

Keine Freiheit unter alten Flaggen

Die vielleicht bitterste Erkenntnis lautet deshalb: Die Monarchisten sind womöglich die beste Opposition, die sich die Islamische Republik wünschen könnte. Gäbe es sie nicht, müsste das Regime eine solche Kraft vermutlich erfinden. Denn eine Opposition, die selbst autoritäre Reflexe reproduziert, Gegner bedroht und die Symbolik politischer Unterdrückung feiert, bestätigt am Ende genau jene Erzählung, mit der das Regime seit Jahrzehnten jede demokratische Alternative diskreditiert.

Die Menschen im Iran brauchen keine Rückkehr zur Vergangenheit und keine neuen Sicherheitsapparate unter anderer Flagge. Sie brauchen demokratische Räume, soziale Gerechtigkeit, politische Teilhabe und die Möglichkeit, ihre Zukunft selbst zu gestalten, ohne Angst vor Geheimdiensten, ideologischer Gleichschaltung oder staatlicher Gewalt.

Dass SAVAK-Symbole heute wieder auf deutschen Straßen auftauchen, darf deshalb nicht als Randnotiz behandelt werden. Denn wo autoritäre Zeichen verharmlost werden, beginnt oft auch die Normalisierung jener politischen Kultur, die hinter ihnen steht.

Shoan Vaisi ist Menschenrechtsaktivist, der wegen seinem Einsatz für Freiheit und die Rechte der Kurden aus dem Iran fliehen musste.

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