Französische Schüler trotzen staatlichem Durchgreifen und kämpfen für ihre Zukunft

Schülerproteste in Perpignan
(Bild: Frenchbluesman, CC BY 4.0)

Eine Massenbewegung von Schülern erschüttert Macrons Regierung – und sie kämpfen nicht allein, wie John Rees berichtet.

In den letzten Tagen wurden landesweit mehr als 400 Schulen durch Schülerblockaden lahmgelegt. Die Proteste stießen auf Repressionen durch die berüchtigte französische Bereitschaftspolizei.

Die Schüler protestieren gegen den Mangel an Lehrkräften und Personal, überfüllte Klassenzimmer und marode Schulgebäude. Gestern schlossen sich auch Studierende den Demonstrationen an und legten den Betrieb an 30 Universitätsstandorten im ganzen Land still.

Die Blockaden und Proteste an französischen Gymnasien – für 15- bis 18-jährige Schüler – begannen letzte Woche und breiteten sich dann auf Hunderte von Schulen im ganzen Land aus. Bislang waren 1.027 Schulen von Demonstrationen betroffen, an 222 davon gab es Blockaden.

Nach Angaben des französischen Innenministeriums führte das harte Vorgehen der Bereitschaftspolizei zu fast 2.000 Festnahmen. Durch aus nächster Nähe abgefeuerte Tränengasgranaten verlor ein Schüler ein Auge. Ein anderer verlor seine Zähne, als eine Granate aus kürzester Distanz auf ihn abgefeuert wurde.

Während die Polizei Massenfestnahmen vornimmt und Tränengas gegen die Schüler einsetzt, führt die französische Regierung einen Propagandakrieg gegen die Proteste. Die Regierung behauptet, die Schülerproteste seien in „urbane Gewalt“ umgeschlagen, bei der mehr als 300 Polizeibeamte verletzt und „erhebliche Schäden“ an Schuleinrichtungen verursacht worden seien. Der Unterricht finde nun im Fernunterricht statt, so der französische Bildungsminister.

Doch die Schüler kämpfen nicht allein. Nach einem Sommer, in dem sie versuchten, Waldbrände einzudämmen, protestierten französische Feuerwehrleute gemeinsam mit den Schülern; auch Schulpersonal und Beamte schlossen sich ihnen an. Am vergangenen Dienstag demonstrierten sie in Paris gegen den Mangel an Finanzmitteln und Ressourcen sowie gegen geplante Haushaltskürzungen. Zudem kritisierten die Feuerwehrleute die unzureichenden Mittel, die die Regierung für die Bekämpfung der massiven Waldbrände im Land während des Sommers bereitgestellt hatte.

Die Regierung schlägt vor, die Gehälter der Staatsbediensteten im Jahr 2027 einzufrieren, um Ausgaben in Höhe von 2 Milliarden Euro einzusparen. Dies wäre der vierte derartige Stopp in Folge und der achte während der Amtszeit von Präsident Emmanuel Macron. Gewerkschaften kritisieren, dass diese Maßnahmen zu einem zweistelligen Kaufkraftverlust geführt haben.

Ein anderer Bereich der Staatsausgaben erfährt hingegen einen massiven Aufschwung. Frankreich plant, seine Verteidigungsausgaben bis 2030 im Rahmen eines überarbeiteten Militärplanungsgesetzes um weitere 36 Milliarden Euro aufzustocken, um das französische Atomwaffenarsenal sowie die Bestände an Raketen und Drohnen zu erweitern. Verteidigungsministerin Catherine Vautrin betonte die Notwendigkeit, die Truppenstärke zu erhöhen und kündigte an, dass Frankreich bis 2030 50.000 Reservisten rekrutieren wolle, womit die Gesamtzahl des Militärpersonals auf 330.000 steigen würde.

All dies trägt nicht dazu bei, das Ansehen der Regierung bei den Wählern zu verbessern. Umfragen belegen durchweg die große Unbeliebtheit von Präsident Emmanuel Macron und seiner Mitte-rechts-Regierung.

Bis zur nächsten Präsidentschaftswahl sind es noch Monate. Die radikale Linkspartei LFI unter der Führung von Jean-Luc Mélenchon verzeichnet einen starken Aufwärtstrend in den Umfragen. Doch auch der rechtsextreme RN unter Marine Le Pen stellt eine ernstzunehmende Gefahr mit breiter Unterstützung dar.

Die französische Gesellschaft steht an einem Wendepunkt. Ob sich das linke oder das rechte Lager durchsetzt, wird nicht nur die französische Politik, sondern auch die Politik des gesamten europäischen Kontinents auf Jahre hinaus prägen.

Dieser Beitrag von John Rees wurde aus dem Englischen übersetzt und erschien zuerst am 2. Oktober 2026 bei Counterfire.

Dieser Autor schreibt für etos.media.

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