Der argentinische Politikberater Fernando Cerimedo erfolgreich hat Wahlkämpfe für extrem rechte Politiker in ganz Lateinamerika geführt. Seine Festnahme wegen seiner mutmaßlichen Rolle bei dem versuchten Femizid an seiner ehemaligen Partnerin Nadia Beller hat die Aufmerksamkeit erneut auf seine Desinformationsoperationen im Auftrag einflussreicher Politiker mit Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump gelenkt. Teodoro Manuel über die Machenschaften von Lateinamerikas „King of Trolls“.
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Am 18. August wurde Fernando Cerimedo am internationalen Flughafen Viru Viru in Santa Cruz, Bolivien, festgenommen. Cerimedo zählt zu den einflussreichsten Politikberatern Lateinamerikas. Er arbeitete an den Wahlkämpfen mit, die extrem rechte Präsidenten in verschiedenen Ländern des Kontinents an die Macht brachten, darunter Milei in Argentinien, Paz in Bolivien, Asfura in Honduras und Bolsonaro in Brasilien – auch war er an Bolsonaros gescheitertem Putschversuch 2022/23 beteiligt, um nur einige Beispiele zu nennen.
In ähnlicher Funktion war Cerimedo in Chile für die Option „Rechazo“ („Ablehnung“) beim historischen Verfassungsreferendum am 4. September 2022 tätig. Damals stimmten rund 62 Prozent der Chilen:innen gegen einen ausgesprochen progressiven Verfassungsentwurf, der die Verfassung des Diktators General Augusto Pinochet von 1980 endgültig abgelöst hätte. Für seine Arbeit erhielt Cerimedo nach Angaben des chilenischen Wahldienstes SERVEL rund 30.000 US-Dollar. Das Geld stammte höchstwahrscheinlich aus öffentlichen Mitteln; die Gesamtsumme ist bis heute unbekannt. Seit seiner Inhaftierung in Bolivien haben Länder in ganz Lateinamerika begonnen, den Modus Operandi dieses digitalen Söldners zu untersuchen.
Cerimedo, bekannt als „King of Trolls“, errichtete Bot-Farmen und stellte Mitarbeiter ein, die quer über die sozialen Netzwerke aktiv waren. Ihre Aufgabe bestand darin, rechtsradikale Propaganda mithilfe von Desinformation und Schmutzkampagnen gegen politische Gegner zu verbreiten, darunter auch gegen Vertreter des rechten Spektrums. Nach seiner Festnahme wurden in seinem Haus in La Paz rund 40.000 US-Dollar sowie diverses Equipment gefunden, das zum Betrieb von Bot-Farmen verwendet wird, darunter Modems, USB-Hubs und Mikroserver. Neben seiner Arbeit im Verborgenen des politischen Diskurses ist Cerimedo auch Mitgründer von La Derecha Diario – einem rechtsradikalen Onlinemedium, dem wiederholt vorgeworfen wurde, Desinformationskampagnen zu produzieren und zu verbreiten. Es zählt zu den loyalsten Medienverbündeten Mileis.
Vom digitalen Söldner zur Mordermittlung
Merkwürdigerweise wurde Cerimedo für seine Angriffe auf die Demokratie oder für die Belästigung und Attacken auf seine Opfer bislang weder untersucht geschweige denn verurteilt. Eine Ausnahme bildet lediglich Brasilien, wo gegen ihn wegen seiner Beteiligung an Jair Bolsonaros Putschversuch 2022/23 ermittelt wurde. Er wurde jedoch freigesprochen. Das könnte sich nun ändern.
Die bolivianische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen ihn aufgenommen, allerdings wegen eines anderen Vorwurfs: des versuchten Mordes an seiner ehemaligen Partnerin Nadia Beller. Nachdem sie ihm Berichten zufolge mitgeteilt hatte, dass sie schwanger sei, soll er zwei Auftragsmörder damit beauftragt haben, sie vor einem Hotel in Santa Cruz zu ermorden. Beller wurde dreimal angeschossen, überlebte jedoch mit Verletzungen an Hals, Brust und Arm, wie der damalige bolivianische Generalstaatsanwalt Róger Mariaca Montenegro mitteilte. Cerimedo wurde am Flughafen festgenommen, als er mutmaßlich versuchte, das Land zu verlassen. Gegen ihn wird wegen seiner mutmaßlichen Rolle bei dem versuchten Femizid ermittelt.
Cerimedos Festnahme brachte Machenschaften ans Licht, die zwar längst allgemein bekannt waren, aber nie offiziell offengelegt worden waren. In fast allen Ländern Lateinamerikas wurden nun seine Verbindungen zur jeweiligen nationalen Politik öffentlich. Bolivien leitete Ermittlungen wegen versuchten Mordes und Geldwäsche gegen ihn ein. Der chilenische Kongress setzte eine Kommission ein, die Cerimedos Verbindungen zu Desinformationskampagnen und deren illegaler Finanzierung in der Politik untersuchen soll. Wie weit diese Ermittlungen reichen und welche tatsächlichen Auswirkungen Cerimedos Arbeit hatte, ist weiterhin unklar. Der Schaden, den sie der Demokratie in Lateinamerika zugefügt hat, ist jedoch offensichtlich.
Die Macht, die Cerimedo selbst aus dem Gefängnis heraus ausübt, ist deutlich spürbar. Als Lateinamerikas MAGA-Mann bezeichnet, profitiert er vom Einfluss der USA auf dem Kontinent. Am 30. September nahm die bolivianische Polizei Róger Mariaca fest, den damaligen Generalstaatsanwalt des Landes und Leiter der Ermittlungen gegen Cerimedo. Mariaca wurde inzwischen seines Amtes enthoben und wegen anderer Vorwürfe in Untersuchungshaft genommen. Ihm werden unter anderem organisierte Kriminalität, Drogenhandel und Geldwäsche vorgeworfen. Zwei Tage zuvor hatte das US-Außenministerium sein Visum annulliert. Es beschuldigte ihn und weitere bolivianische Staatsanwälte und Richter, mit Drogenkartellen gemeinsame Sache zu machen und auch anderen illegalen Aktivitäten beteiligt zu sein. Zur Begründung erklärte das Ministerium, es wolle damit „die demokratische Regierungsführung in unserer Hemisphäre gegen Korruption und Drogenhandel verteidigen“.
Diese Reaktion der extrem rechten Regierung von Rodrigo Paz und der USA wird durch den Shield of the Americas gestützt, eine neue von den USA geführte Sicherheits- und Geheimdienstkoalition für die Region, die im März 2026 unter US-Präsident Donald Trump gegründet wurde. Alle rechten Präsidenten Lateinamerikas haben sich ihr ohne Zögern angeschlossen. Das Bündnis birgt erhebliche Risiken für die Demokratie in Lateinamerika und erleichtert es den USA, ihren Imperialismus in der Region weiter voranzutreiben.



