Festival in Hannover diffamiert wegen Palästina-Solidarität

Am 11. September 2025 wurde ein Artikel auf der Plattform mena-watch.org veröffentlicht, einer antimuslimischen, rassistischen Plattform. Im Artikel werden nahezu alle beteiligten Künstler*innen des collecting:dreams Festival 2025 diffamiert. Die Stadt Hannover hat diesen Artikel unkritisch übernommen und eine Frist von wenigen Stunden am Tag der Festivaleröffnung gesetzt, um zwei Künstler*innen auszuladen. Da das Festival der Ermahnung nicht nachkam, wurde am selben Tag die Förderung in Höhe von 10.000 Euro gestrichen: ein klarer Einschüchterungsversuch, das Festival und damit Palästina-Solidarität zu verhindern.

Schon zuvor kam es zu Anfeindungen, so entzog das Kulturzentrum dem Festival seine Räumlichkeiten, da diese keine Änderung im Programm vornehmen wollten. Besonders richtete sich die Kritik gegen Hebh Jamal, die 2023 ein Video veröffentlicht hatte, dessen vermeintlich problematische Inhalte im Grunde ausschließlich in rechten Medien thematisiert wurden. „Die Aussagen, die ihr zugeschrieben werden, heißen wir nicht gut“, betont das Festival. Jamal hatte das Video gelöscht und eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie sich von Terrorismus und Menschenfeindlichkeit jeglicher Form distanziert. Zudem habe man die Beiträge nach der Stellungnahme geprüft und festgestellt, dass ihre Erklärung glaubhaft ist.

Wer vom öffentlichen Diskurs ausgeschlossen wird und wer nicht, wird immer öfter anhand rassistischer Systematik und Dominanzverhältnissen entschieden. Besonders werden pro-palästinensische Stimmen im deutschen Kulturbetrieb angefeindet, es wird mit Anschuldigungen und Diffamierungen wie „Hamas-Unterstützerin“ um sich geworfen. Diese Begriffe werden aktiv dafür eingesetzt, um Diskurse zu verhindern – so auch gesehen in dem Fall von Jamal. Sie ist persönlich stark vom Krieg in Gaza betroffen, hat Dutzende Angehörige verloren, darunter der Bruder ihres Ehemanns. Nicht zuletzt unter diesen Umständen ist es ein Skandal, sie ausdrücklich auszuladen. Der deutsche Diskurs benötigt dringend Räume, in denen Palästinenser*innen und Solidarische zu Wort kommen können.

Neben Hebh Jamal hat die Stadt auch die Ausladung einer 23-jährigen Filmstudentin verlangt, mit einer lächerlichen Begründung: Sie wäre bei der Antragstellung im Programm nicht erwähnt gewesen. Bei einem dreitägigen Festival kommt es regelmäßig zu Absagen im Planungsprozess. Auf dem #cdf25 haben mehrere bildende Künstler*innen ihre Arbeiten ausgestellt, die zum Zeitpunkt der Antragstellung ebenfalls nicht erwähnt wurden, was für die Stadt Hannover kein Problem darstellte. Damit zeigt die Stadt ihr wahres Gesicht: die aktive Verdrängung palästinensischer Programmpunkte aus dem öffentlichen Raum, indem sie diese zur Grundlage der Fördermittelabsage macht.

Das Festival stellt sich klar gegen die Ausgrenzung von kritischen palästinensischen Stimmen. Das Fallenlassen eines dreitägigen queeren, postmigrantischen Festivals mit verschiedensten Programmpunkten zeigt, wie groß der Druck gegen die palästinensische Bewegung in Deutschland ist.

Die Veranstalter haben das Festival trotz des Widerstands der Stadt Hannover und unter großer psychischer und physischer Belastung dennoch gestemmt. Dies war nur durch eine Spendenkampagne möglich, um über diese die große finanzielle Belastung zumindest halbwegs auszugleichen. Die Stadt Hannover ist mitverantwortlich für die Hasskampagne, die sich in verstärkten Anfeindungen zeigt und die Sicherheit der Besucher sowie der Teammitglieder und Artists gefährdet.

Trotz der Anfeindungen sagt collecting:dreams in einem Statement entschlossen: „Wir sind dankbar für die vielen positiven Reaktionen und die vielen Solidaritätsbekundungen, die wir aus der Zivilgesellschaft, von Künstler*innen, von Privatpersonen, Parteien und Organisationen erhalten.“ Und: „Gemeinsam möchten wir ein Zeichen für eine solidarische Welt und gegen jede Ausgrenzung setzen.“

Volle Solidarität mit collecting:dreams!

Ein Beitrag von Jule Peters

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