Gaza verhungert – nicht nur wegen Nahrungsmangels, sondern auch wegen der Gleichgültigkeit!

Hunger in Gaza - Bild: Hosny Salah

Mehr als 100 Palästinenser sind in den letzten Wochen verhungert. Nicht weil es keine Nahrung gäbe, die zu den Menschen in Gaza geschickt werden könnte, sondern weil Israel bewusst ein ganzes Volk aushungert. Das macht Israel, in dem es die Grenzen für die tausenden Hilfstrucks dichtmacht, die Hilfspakete geladen haben. Und, indem es die Übergabe der wenigen Nahrung einer privaten Organisation (GHF) überlassen hat, bei deren Verteilaktionen hunderte Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen wurden.

Immer wieder wurde in den vergangenen Monaten dieses Aushungern relativiert, mit Lügen geleugnet oder die Schuld dafür anderen zugeschoben, beharrlich auch durch deutsche Politiker. Dies geschah, während Hilfsorganisationen immer dringlicher vor dem warnten, was wir gerade erleben: das Aushungern eines ganzen Volkes. Ein neuer, trauriger Höhepunkt des Genozids in Gaza. 

Während die Bilder von abgemagerten Kindern in den Armen ihrer Mütter um die Welt gehen; die Videos von ausgemergelten Vätern, die für ihre Kinder auf Nahrung verzichten, die Hilfeschreie eines hungernden Landes, diskutiert Deutschlands Politik. Sie diskutiert darüber, ob es denn nun wirklich Konsequenzen für Israel geben kann oder ein leichter Tadel reicht. 

Diese Frage würde so niemals gestellt werden, wenn irgendein anderes Land auf der Welt diese Verbrechen begehen würde. Bei jedem anderen Land wäre die Antwort klar: Sanktionen und das Ende jeglicher Unterstützung für die Regierung, die dies zu verantworten hat.

Doch bei Israel ist es anders. Deutschland liefert weiterhin Waffen und verhindert zusammen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, von dem man sich sonst so gerne distanziert, dass das EU-Assoziationsabkommen mit der rechten israelischen Regierung aufgekündigt wird. Genau solch eine Aufkündigung wäre dabei vorgesehen bei Verstößen gegen die Menschenrechte. Verstöße, die wir tagtäglich hochauflösend auf unseren Bildschirmen sehen können.

Dieses Verhalten schmerzt. Insbesondere von einem Land, das Heimat ist. Einem Land, das sich sonst doch so sehr für seine humanistischen Werte rühmt. Werte, die jedoch an der Grenze Palästinas enden. Werte, die nicht mehr gelten, wenn es um israelische Verbrechen geht.

Ein Land, das auch immer wieder betont, aus der Geschichte gelernt zu haben, dass man Menschenrechte überall verteidigen muss, und das doch weiterhin Waffen liefert an eine Armee, die gezielt Zivilisten aushungert.

Es gibt leise Kritik, ja. Appelle, dass das humanitäre Völkerrecht eingehalten werden müsse. Aber was nützt ein Appell, wenn meine Familie wie die ganze Bevölkerung in Gaza gerade an seiner Missachtung sterben? Was nützt es, wenn wir seit Monaten nichts mehr von Familienmitgliedern gehört haben, die schon seit mehr als einem Jahr davon berichten, dass ihr Magen leer ist und sie für ihre Kinder auf Essen verzichten, weil in den Norden Gazas schon lange nichts mehr reinkommt außer Bomben.

Deutschland könnte etwas tun. Es ist neben den USA der letzte große Unterstützer von Netanjahu und seiner Regierung. Doch wo Mut, Menschlichkeit und Taten gefragt wären, setzt es auf Zurückhaltung. Wo Solidarität mit den notleidenden Palästinensern und ihren Angehörigen hierzulande gefragt wäre, setzt es auf Ignoranz gegenüber unserem Leid – und kriminalisiert unsere Proteste.

Wie viele Kinder müssen noch verhungern, bevor Konsequenzen folgen? Wie viele Mütter müssen noch ihre Kinder betrauern, bevor Deutschland Schiffe mit Nahrung schickt? Wie viele Väter müssen noch erschossen werden, bevor die Rüstungskooperationen mit Israel beendet werden?

Gaza verhungert – nicht nur wegen Nahrungsmangels, sondern auch wegen der Gleichgültigkeit.

Der Artikel erschien zuerst beim Freitag.

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