Warum ich Antimilitaristin bin

Egal wohin man schaut, man liest meist eine stark verkürzte Darstellung des Unterschieds zwischen Pazifismus und Antimilitarismus.
Oft heißt es: Pazifisten lehnen Gewalt grundsätzlich ab, Antimilitaristen hingegen nicht unbedingt – sie würden zwar die Rolle des Militärs hinterfragen, aber im Zweifel für eine Landesverteidigung offen sein. Damit wird dem Pazifismus eine Radikalität unterstellt, die er historisch gar nicht besitzt.
Denn Pazifismus lehnt in der Regel die Form des Krieges ab, nicht aber die gesellschaftlichen Verhältnisse, die zu Krieg führen – und bleibt damit meist im Rahmen des bürgerlichen Staates und seiner Logik.

Der grundlegende Unterschied zwischen Pazifismus und Antimilitarismus liegt also nicht allein in der Haltung zu Gewalt, sondern in der politischen Verortung. Pazifismus ist historisch vor allem eine bürgerliche Bewegung, die zwar Krieg moralisch verurteilt, aber nicht notwendigerweise die strukturellen Bedingungen – insbesondere den bürgerlichen Staat, der zur Durchsetzung kapitalistischer Interessen existiert.
Antimilitarismus hingegen hat seine Wurzeln in der sozialistischen Arbeiter:innenbewegung.
Er erkennt, dass Militarismus nicht neutral ist, sondern ein Instrument des bürgerlichen Staates, um nach außen imperialistische Expansion zu sichern und nach innen jede emanzipatorische Bewegung zu unterdrücken.

Antimilitarismus richtet sich nicht nur gegen das Militär als Institution, sondern gegen das gesellschaftliche System, das militärische Gewalt zurAufrechterhaltung von Ausbeutung, Unterdrückung und kapitalistischer Herrschaft benötigt.
Natürlich heißt das nicht, dass bewaffnete Strukturen grundsätzlich illegitim sind – auch in anderen Gesellschaftsformen kann es bewaffnete Verteidigung geben.
Entscheidend ist: Wem dienen diese Strukturen – und was verteidigen sie?

Antimilitarismus lehnt daher nicht per se den bewaffneten Kampf ab. Er erkennt, dass es Situationen gibt, in denen Gewalt das letzte verbleibende Mittel ist, um Freiheit und Gerechtigkeit zu verteidigen.
Ein Beispiel dafür ist der Widerstand gegen den Faschismus – ein System, das jegliche Opposition brutal vernichtet, Minderheiten verfolgt, Gewerkschaften zerschlägt, die Presse gleichschaltet und ganze Bevölkerungsgruppen auslöscht. Gegen solch einen Terror konnte und kann man sich nicht allein mit Worten wehren.

Ich selbst war nie Pazifistin.
Mein Vater, ein Linker/Kommunist, war eines der vielen Opfer des Militärputsches in der Türkei.
Er hat für seine Überzeugungen, für eine gerechtere Welt, Folter und Repression ertragen.
Solche Menschen sind der Grund, warum es gesellschaftlichen Fortschritt überhaupt gibt.
Fortschritt entsteht nicht durch Passivität, sondern durch den mutigen, oft schmerzhaften Kampf für Gerechtigkeit, getragen von Menschen, die bereit sind, alles zu geben – wenn keine andere Möglichkeit mehr bleibt.

Was wir heute erleben, ist eine neue Welle von Militarismus, die tief in die Gesellschaft einsickert.
Uns wird erzählt, es gehe um unsere Sicherheit, unsere Freiheit, unsere Demokratie.
Doch das ist eine Lüge.
Es geht nicht um unsere Freiheit, nicht um die der Ukrainer:innen oder anderer Völker dieser Welt.
Es geht um den freien Zugang zu Märkten, um geostrategische Kontrolle, um die Absicherung kapitalistischer Profite im Interesse des Großkapitals – nichts anderes.

Deshalb sage ich:
Nein zum Militarismus. Nein zu euren Kriegsvorbereitungen. Nein dazu, mein Leben oder das meiner Kinder für eure Interessen zu opfern.
Das sollten wir alle gemeinsam und lauter zum Ausdruck bringen.

Ein Beitrag von Özlem Alev Demirel

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